In den Bulli – Fertig – Los!

In den Bulli, fertig, Los! Oder auch doch nicht?

Hey Leute, ich bin Manu und versuche gerade meine Vision aus dem Reich der Träume zu befreien. Sie soll wahr werden und nicht auf ewig in einem Regal verstauben! Doch für welch eine Vision lohnt es sich einem ganzen Jahr, voller Abenteuer und Eindrücke in Neuseeland, den Rücken zu kehren?

Gute Frage, denn die allergrößte Mehrheit, der „Ausreiser“ und Weltentdecker würde sicherlich alles dafür geben um ein Jahr im „schönsten Land der Welt“ zu verbringen – aber eben nur die Mehrheit. Zwischendrin gibt es aber auch noch so jemanden wie mich – einen Dulli, der ein Jahr Neuseeland lieber gegen einen 23 Jahre alten VW-Bus eintauschen würde. Warum und Was ein Auto mit meinem Traum zu tun hat, werdet ihr in den nächsten Wochen zu genüge erfahren 😉

Doch zunächst will ich euch von unserem ersten Date erzählen – dem ersten Treffen zwischen mir und dem VW T4 von 1996.

Es ist Freitag, 16:00, unfassbar warm draußen und so wie ich bin: Komplett aufgeregt, ausgestattet mit einem ganzen Bündel an Checklisten von denen ich weiß, dass ich sie eh nicht brauchen werde, geht es für mich auf den einstündigen Weg zum Ort des begehrens. Mein Taxifahrer, der gleichzeititg auch mein bester Kumpel ist und wesentlich mehr Ahnung von allem was einen Motor und mindestens zwei Räder aufweisen kann, hat, holt mich überpünktlich zu Hause ab. Als wir zwei Minuten vor der vereinbarten Zeit in die letzte Straße einbiegen, können wir den T4 schon sehen. Mein Herz, was sich während der Fahrt eigentlich weitesgehend stabilisiert hat, hüpft nun wieder vor Aufregung – oder Freude? Wir halten an und machen direkt mit dem super freundlichen jungen Mann Bekanntschaft, der für sein gutes Stück – nein nicht das, was ihr denkt! – seinen VW Bus, einen neuen Besitzer sucht. Wir schauen uns das Auto von außen, innen, unten und – soweit möglich – auch von oben an und stellen erstaunt fest: „Junge, der hat Null Rost!“ Das ist echt keine Selbstverständlichkeit bei einem 23 Jahre alten Fahrzeug, was eigenltich dafür bekannt ist bereits im Katalog zu rosten! Selbst an den kritischen Stellen beim T4 – den Radkästen, der Heckklappe, dem Tankdeckel oder an der Frontscheibenfassung, können wir keine Spuren von Rost feststellen. Das macht uns ein wenig stutzig, weshalb wir nun etwas kritischer an die Sache herangehen. Ich frage nach dem Zahnriemen und bekomme die erfreuliche Antwort, dass dieser erst 20’000 Kilometer alt ist. Zudem wurde vor kurzem erst eine neue Abgasanlage aus Edelstahl verbaut, die uns später noch eine dicke Überraschung beschehrte. Als wir die Gutachten der TÜV-Prüfung von vor wenigen Monaten zu Geischt bekommen, staunen wir nicht schlecht! Bis auf eine winzige, nicht gravierende Auffälligkeit, gab es absolut nichts zu bemängeln. Also dann: Lasst uns mal den Bulli satteln und einen Proberitt starten. Mit den Worten „Der Sprit müsste für eine kleine Runde reichen.“ überlässt uns der Verkäufer seinen Bulli. Die Bezeichnung „kurz“ haben wir dabei allerdings nicht so ganz für ernst genommen 😉 Zu allererst lasse ich meinen Kumpel fahren damit ich das gute Auto nicht direkt gegen eine Wand oder Hecke fahre. Nun heißt es: Kupllung drehten, Motor starten und: „Heilige Scheiße klingt der krass.“ Eigentlich hatte ich vorher nie einen Gedanken daran verschwnedet, dass mein zukünfitges Auto „gut klingen“ muss. Aber zugegeben: Das ist schon ziemlich cool – vorne ein 2,4 Liter Diesel dirn, hinten kommt aber ein 5 Liter Benzin raus – könnte man meinen. Ich kann es kaum erwarten auch mal zu fahren. Direkt am Anfang stellt mein Kumpel fest, dass das Getriebe unglaublich kurz übersetzt ist, was aber eigentlich kein Problem darstellt. Der Bus ist sowieso eher für das Gelände ausgelegt und hat auch nur ein Top Speed von 120 km/h. Fünf Minuten später halten wir an und schauen ob alle Lichtanlagen, Scheibenwischer, Schiebetüren und so weiter funktionieren. Ein Nebelscheinwerfer scheint seinem Erfindungszweck nicht ganz nachkommen zu wollem, was uns aber nicht weiter abschreckt. Viel mehr fällt unsere Aufmerksamtkeit einem anderen kleinen, aber wichtigen Detail zu: Die Hupe. Sie ist etwas sturr und hat ihren eigenen Kopf. Kaum betätigen wir sie einmal, ist sie eingeschnappt und verweigert ihren Dienst. Die Mädels sind schon manchmal etwas kompliziert. Nun gut, wir leben ja schließlich nicht in Indien, wo eine funktionierende Hupe so etwas wie eine Lebensversicherung ist.

Viel wichtiger: Jetzt darf endlich ich ans Steuer! – der Kerl, der bis auf den Familienkombi noch nie ein anderen Farzeug bewegt hat, darf jetzt einen Transporter von 1996 fahren mit „Servolenkung“. Also erstmal schauen, wie die Gangschaltung so läuft. Es ist zwar etwas komisch so einen derart langen Knüppel – ehm, also Schaltknüppel – in der Hand zu haben, aber man gewöhnt sich relativ schnell daran 😉 Zusammen mit der etwas erhöhten Lage, gegenüber der anderen Autofahrer, kommt man sich schon fast wie in einem richtigen LKW vor. Aber Vorsicht! Jetzt komme ich und mache die Straßen des Erzgebirges unsicher! Gesagt getan…wortwörtlich. In der ganzen Aufregung habe ich natürlich ersmtal völlig vergessen die Spiegel ordentlich einzustellen. Aber wie sagt man so schön: Der dickere hat die Vorfahrt. Blöd nur, wenn dann wirklich ein 40-Tonner um die Ecke gezischt kommt. Da zieht man dann vermutlich den kürzeren Hebel. Lange Rede gar kein Sinn. Ich starte also den Motor und bin erneut überrascht, wie cool und rund der Motor läuft und klingt. Für meinen Geschmack auf Dauer etwas laut, vorallem wenn man die Scheiben auf hat, was im Sommer ohne Klimaanlage definitiv ein Muss ist. – Außer man hat Freude daran sich regelmäßig einer Dampfgarung zu unterziehen, was definitiv zu unfassbar zartem Fleisch führen würde, aber meine Vorliebe ist das eher nicht.

Mein erster Gedanke: „Huch. Wohin hat sich denn die Servolenkung verkrochen?“ Ja, im Stand und bei sehr langsamer Fahrt lässt sich der Esel definitiv nicht nur mit dem kleinen Finger bedienen, was heutzutage ja fast schon üblich ist. Hier muss noch richtig gekurbelt und geschwitzt werden. Da merkt man, dass es eben nicht nur ein Spielzeug ist. Da wir auch etwas Öl im Motorraum finden, kommen uns schnell die Gedanken an eine kaputte Servopumpe, was sich später aber als falsche Vermutung herausstellt. Der Allrad und die breiten Reifen sind wohl eher Schuld am sportlichen Lenkverhalten. Da kommt so eine hydraulische Servolenkung nicht hinterher. Allerdings hat so eine fast schon „altertümliche“ Lenkunterstützung auch ihre Vorteile, denn an ihr ist keinerlei Elektronik verbaut, die kaputt gehen kann und im Fall der Fälle definitiv einen Fachmann benötigt. Das Öl stammt vermutlich dennoch von der Servopumpe, was spätere Recherchen ergeben, denn da in diesem Ölkreislauf Drücke von über 100 Bar entstehen, ist es mehr die Regel, als eine Ausnahme, dass da ab und zu Öl aus den Fugen tritt. Schnell finde ich gefallen an meiner Blindfahrt und bin echt froh, dass mein Kumpel mit dabei ist. Nicht nur, weil er super offen und unerschrocken auf die Leute zu geht und verdammt viel Ahnung von der ganzen Materie hat, sondern auch, weil er ein verdammt guter Seitenspiegel ist! Ohne Beifahrer wäre die ganze Sache häufig mehr zum Glücksspiel als „sicheres Autofahren“ geworden. Auch wenn das natürlich total übertrieben ist, ist es dennoch erst einmal eine kleine Umstellung von Kombi mit Rundumblick auf Transporter.

Nach ein paar Minuten Fahrt, über verschiedene Kreuzungen, Abbiegungen und der Feststellung: „Esel trifft auf den T4 mit seinen 57kw ganz gut zu.“, denn er ist tatsächlich eher lahm. Ein Straßenrennen gewinnt man damit definitiv nicht – außer man demoliert vorher die Reifen der anderen Fahrzeuge. Da Geschwindigkeit aber das letzte ist, was mir an einem Auto wichtig ist, kümmert mich diese Tatsache eher wenig! Wir biegen auf einen Parkplatz ein und machen nocheinmal einen kurzen Motorraumcheck. „Ganz schön warm unter der Haube!“ Wir klettern erneut unter das Auto, schauen ob wir nicht vielleicht doch noch etwas Rost finden – aber vergebens. Im Motorraum schaut auch alles Tipp Topp aus. Nichts qualmt, kocht oder stinkt. So langsam finde ich wirklich gefallen an dem Fahrzeug. Nicht nur der gute Zustand, auch der Lebenslauf – die Lebensgeschichte – und der robuste Schiffsdiesel haben es mir angetan. Die Story und Hintergründe zum Bus hebe ich mir aber für ein anderes Mal auf. Jetzt heißt es erstmal „Heimfahrt“ – leider. Aber Moment Mal…wo ist dieses „Heim“ jetzt eigentlich? Nach 10 Minuten Fahrt halte ich auf einem Schotterplatz nahe eines Bauernhofes. Wir stellen fest, dass wir uns aufs übelste Verfahren haben. Ups. Grundsätzlich ist das ja kein Halsbruch, aber wir befinden uns ja schließlich auf einer Probefahrt und haben schon fast eine Stunde ein fremdes Auto unter beschlag genommen… nochmal Ups.

Kurze Ratlosigkeit und einen Blick auf Google Maps helfen uns dann doch wieder den richtigen Weg zu finden. „Ach du scheiße: Wie weit sind wir denn eigentlich gefahren?“ frage ich mich merhmals, als ich meinem Kumpel wieder das Steuer überlassen habe und wir uns zumindest wieder auf der richtigen Straße befinden.

Zurück auf dem Hof des Verkäufers, steigen wir merklich mit einem breiten Grinsen aus dem Bulli aus und geben die Schlüssel schweren Herzens wieder ab. Aber wer weiß – vielleicht kann ich sie bald „meines eigen“ nennen 😉 Wir entschuldigen uns kurz für unsere sehr ausgiebige Erkundungsfahrt und kommen noch ein wenig ins Gespräch. Wow, der Verkäufer hat bei sich zu Hause echt den Traum eines jeden Baslters: Hebebühne, Haufenweiße Werkzeug, Ersatzteile und so weiter. Wir erfahren, dass er noch zwei weitere T4 Busse hat. Einer steht auch gerade auf der Hebebühne, wie wir unschwer erkennen können. Da er eben noch zwei weitere und etliche Zweiräder und noch einen Caddy besitzt, braucht er diesen T4 einfach nicht mehr und will ihn daher verkaufen. Jackpot!

Tja, und wenn ihr wissen wollt, wie es weiter geht, folgt einfach meinem Blog und ihr seit immer auf dem neusten Stand, wenn es etwas zu berichten gibt! Ich habe großes vor – also bleibt neugierig 😉

Veröffentlicht von Manu

Mit dem Baujahr 2001 bin ich in meiner Branche noch ziemlich frisch - praktisch noch ein Neuwagen. Den ein oder anderen Ölwechsel durfte ich schon erleben, wobei mir mein Motor von Zeit zu Zeit einige Probleme bereitet. Aus diesem Grund existiert auch dieser Blog, denn ich möchte euch an der Reperatur teilhaben lassen und das Wissen, was ich mir dazu täglich aneigne mit euch teilen, damit auch Ihr effiziente und erfolgreiche Mechaniker eurer selbst werden könnt. Meine Betriebssoftware macht hingegen einen sehr soliden Eindruck und entwickelt sich immer weiter. Vielleicht ist sie eines Tages in der Lage, sich selbst zu reparieren, heilen und zu pflegen.

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