Startkommando Nummer zwei:

Wir hatten uns vorgenommen Auckland spätestens gegen 16:00 zu verlassen und unseren ersten Stellplatz zu finden. Es ist ca. 13:30 als wir vom Mittagessen kommen und unesere Sachen packen – die müssen ja schließlich auch mit in den Van. Wir schreiben Louise zum Abschied noch ein paar Zeilen und bedanken uns für die nette Gastfreundschaft und die lustigen Gespräche mit ihr und ihrem Freund. Aber jetzt heißt es: Abschied von der ersten Etappe dieses Abenteuers nehmen und hoffen, dass wir nichts im AirBnB liegen gelassen haben.

Da unser Zeitplan keine großen Pausen zulässt, schmeißen wir einfach erstmal alles in den Van – die Ordnung kommt dann später von selbst…vielleicht…irgendwann…

Geputzt ist der Van zwar schonmal, aber mehr als eine „Küche“ und Matratzen gibt die Inneneinrichtung noch nicht her. Da schlafen ohne Decke und Kochen ohne Töpfe, Pfannen oder Messer nicht wirklich möglich ist, sieht unser Plan vor, bis 16:00 genau jene zu besorgen. – Ach so: Einen Wocheneinkauf machen müssen wir bis dahin auch noch, sonst müssen wir hungern.

Es ist 14:00 als wir die Mountain Road verlassen und die ersten Einrichtungsmärkte ansteuern – wir bleiben optimistisch.

Zunächst landen wir irgendwie nur in diversen Luxusläden und fühlen uns dort als „arme Backpacker“ ein wenig fehl am Platze. Durch ein bisschen Glück werden wir dann doch in einem dieser Läden fündig. Unsere Beute: Zwei Kissen für jeweils 4$…was für ein Schnäppchen. Ich frage mich zwar, wie man für umgerechnet ca. 2,10€ ein wirklich brauchbares Kissen produzieren kann, aber für uns war das ein wahrer Glücksgriff (die Kissen waren im Ausverkauf und um 60% reduziert oder so.).

Nächste Station: „KMart“ und „The Warehouse“. Beide sind hier bekannt für ihre rießige Auswahl an Allem. Und wenn ich Alles meine, dann heißt das auch Alles. Von Hundefutter, über Fernseher, Schokolade, Bücher, CDs, Klamotten, Schuhe bis hin zu Decken und sämtlichen Küchenutensilien, Grills und so weiter, bekommt man vor allem bei The Warehouse absolut alles – und das zu teils sehr günstigen Preisen! Wir verschaffen uns einen kurzen Überblick und beginnen alles mögliche miteinander zu vergleichen. Zum Glück haben wir uns im vorhinein eine Liste gemacht, was wir alles brauchen – schließlich sind wir gerade dabei eine ganze Wohnung einzurichten 😉

Dafür, dass der Van absolut uneingerichtet war, können wir mit insgesamt ca. 250$ Ausgaben für die gesamte Inneneinrichtungen eines nun mehr oder weniger vollwertigen Heimes, ganz zufrieden sein. Für umgerechnet 143€ haben wir eine Decke (Queensize), passende Bezüge, Laken, zwei Töpfe (unbeschichtet…das war uns wichtig), Suppenschüsseln, Teller, Schneidebretter, Besteck, Tassen, scharfes Messer, biologisch Abbaubares Spülmittel, eine große Salatschale (…, die wir im Moment eher als „Spülschale“ verwenden), Geschirrtücher, Schwämme, Klopapier, Eimer, Mülleimer, Campingstühle, ein Sieb, Trichter und Pfannenwender, eine Schöpfkelle und jede Menge Kleinkram organisiert.

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, ob die Liste vollständig ist, aber wir waren ziemlich überfordert mit dem vielen Kram und hatten absolut keine Ahnung wo und wie wir das Ganze auf 3 m² verstauen sollen. Fröhlich nach der Devise „erstmal rin in die Karre“, schaffen wir es gleich am ersten Tag unseren frisch geputzten Van von unten nach oben zu zumüllen…mit sinnvollem Müll, versteht sich :o))

Es ist 16:22 als wir den Parkplatz von KMart verlassen. Ich glaube unser Abfahrtsplan versigt so eben in der Dunkelheit.

Trotz unserer Verspätung lassen wir uns im Pak’n’Safe bei unserem Wocheneinkauf nicht stressen. Wir schlendern durch die Regale und nehmen „alles“ mit, von dem wir glauben, wir könnten es im Van gut lagern und brauchen. Ich glaube, es war 18:40 als wir im Van alles mehr schlecht als recht verstaut haben und uns auf der Autobahn Richtung Süden befanden: Einen Plan hatten wir nicht – nur einen Drang: Raus aus Auckland, raus aus dem Getummel und rein in eine – für uns völlig fremde Art des Lebens: Minimalismus.

In ein Leben, in dem wir leere Klopapierrollen aufschneiden und Stadt, Land, Fluss darauf spielen. Ein Leben, in dem wir leere Cornflakestüten als Mülltüten verwenden oder aus den Läden aufgerissene Plastikfolien von Kissen mitgehen lassen, um sie ebenfalls zu Mülltüten umfunktionieren. Ein Leben, in dem wir dreckige Kleidung in Toastfolien lagern um nicht das ganze Auto vollzumiefen. Ein Leben, wo das Handy eben aus ist und aus bleibt, wenn der Strom alle ist. Und ein Leben im Jetzt. Die einzigen Worte und Gedanken, die wir an die Zukunft verschwenden, drehen sich um das heutige Abendessen. Ist Das Freiheit? Ich weiß es nicht, aber die nächsten Wochen und Monate werden es uns lehren. Unfreiheit ist es nicht, denn die größte Determination sind Pläne, Termine und all der Kram, der eigentlich nur einen Zweck hat: Funktionieren – nicht Leben. Das verwechseln wir oft. Wir glauben so an das System, dass wir Funktionieren mit Leben gleichsetzten.

Die Decke und Bezüge noch in Plastikfolien verpackt fahren wir der Dunkelheit entgegen. Erleichtert davon, dass wir (vorerst) alles bekommen haben, was wir brauchen und überfordert von dem vielen Krims Krams hinten „auf unserem Bett“ und in der Küche, biegen wir bei Dämmerung auf einen Parkplatz ab. Vor uns spielen ein paar Jugendliche Tennis auf weitläufigen Plätzen. Hinter uns ein Spielplatz, wo gerade eine Pizza verspeißt wird. Es ist schon dunkel als ich dem Motor ausstelle und die Handbremse anziehe…nachdem ich es erst vergessen und mich gewundert hatte, warum sich die Umgebung aufeinmal bewegt. Jetzt heißt ee erstmal „Ordnung schaffen“ – zumindest so gut wie möglich. Tja, das ist ein ziemlich dehnbarer Begriff, denn neben Bett und Decke beziehen, müssen wir noch für jeden der rund 20-30 Gegenstände einen geeigneten Platz in Auto finden. Zudem haben wir seit einer gefühlten Ewigkeit nichts mehr gegessen und hatten dementsprechend großen Hunger. Ich habe keine Ahnung, wie oft wir den großen Topf hin und her geräumt haben, damit er während der Fahrt nicht klappert und womöglich kaputt geht…am Ende hat er einfach irgendwo zwischen Toast, Wagenheber und Schlafsack seinen Platz gefunden.

Habt ihr schonmal bei völliger Dunkelheit zum ersten Mal in eurem Leben einen Gasherd benutzt (oder versucht zu benutzen) und Couscous mit Gemüse darin gekocht? Das war eine ziemlich mühsame Angelegenheit, aber ich war heilfroh, dass die Laterne, dir mir der Abteilungsleiter vom Edeka zum Abschied mitgegeben hatte, doch noch einen Platz im Handgepäck gefunden hat. Dafür war das Essen nach so einem Tag umso besser! Nach dem Geschirrspülen bereiteten wir uns auf die erste Nacht in Mr Mato vor – eigentlich nichts sooo besonderes, denn die Bettgröße ist auch nicht viel anders, als zu Hause…nur ein bisschen kürzer vielleicht. Da wir beide aber nicht allzu groß sind, ist unser Bett vollkommen ausreichend. Für Menschen über 1,80 wird es allerdings ein bisschen eng. Tja, klein sein hat halt doch so seine Vorteile 🙂

„Eine viel zu niedrige Wäscheleine nach der ersten Nacht.“

Folgende Dinge wurden uns nach der ersten Nacht klar:

– Die Nacht war kalt, sehr kalt.

– Dosen öffnen ohne Dosenöffner ist nicht ganz so einfach.

– Kochen im Dunkeln ist relativ uncool.

Da wir in der Nacht wirklich ziemlich stark gefroren haben, hatte die Suche nach einer zweiten Decke oberste Priorität! Das Abendessen vom Vortag haben wir im Topf gelassen und hinten unters Auto gestellt. Den Rest haben wir zum Mittagessen einfach wieder aufgewärmt. Das war übrigens auch das erste und einzige warme Mittagessen bisher – was für ein Luxus.

In der nächstenbesten „Stadt“ konnten wir dir Mission „Bettdecke“ relativ schnell erledigen. Außerdem haben eine Lichterkette in einem Ramschladen gefunden, die uns hoffentlich nicht mehr im dunkeln sitzen lässt. Die Suche nach einem Dosenöffner gestaltete sich allerdings nicht so einfach. Ein Laden nach dem anderen hatte nur super teure High Tech-Öffner für 20$ oder so. Da der Tag schon recht fortgeschritten war, haben wir die Suche schon fast aufgegeben und steuerten noch einen letzten Markt für heute an. „Farmer“ – so heißt hier eine Kette, die man bei uns wohl eher als“Galeria Kaufhof“ kennen würde. Der Weg dahin war ziemlich speziell, denn die Neuseeländer lieben Kreisverkehre. Die kann ich in Deutschland schon nicht leiden, aber hier sind die sozusagen an jeder Kreuzung, ja fast schon an jeder Kurve! Als Deutscher schaut man aus Gewohnheit ersmtal nach links. Cool – da kommt nicht, also Vollgas! Ja, wie auch…wenn man rechts im Kreisel herumfährt, kann auch nichts von links kommen. Das gehupe war ziemlich ohrenbetäubend und vielfältig – ich hassr Kreisel. Auf dem Parkplatz kam dann ein netter Typ zu mir, der die Situation beobachtet hat und meinte, dass er meine Situation als eingewanderter Schweizer nur all zu gut kenne. Ich dachte schon schlimmes, als er auf uns zu kam. Aber er war nett – so wie alle hier (fast).

Im Farmer haben wir zwar keinen Dosenöffner gefunden, aber eine super coole Pfanne – eigentlich eher einen Wok, der 60% reduziert war. Stolz auf unser Schnäppchen machten wir uns auf den Rückweg zu Mr Mato, der uns schon sehnsüchtig erwartete und es kaum erwarten konnte mich im nächsten Kreisverkehr wieder auszulachen.

Nun sind wir „on the road“ und lernen unseren Van erstmal kennen bevor wir uns Arbeit suchen. Wie lange? Keine Ahnung. Wohin? Keine Ahnung. Es erscheint uns überflüssig die Zukunft über das Abendessen hinaus zu planen. An was für einem spektakulären Platz wir unsere zweite Nacht verbringen erfahrt ihr im nächsten Blog! Bye Bye, bis später!

Veröffentlicht von Manu

Mit dem Baujahr 2001 bin ich in meiner Branche noch ziemlich frisch - praktisch noch ein Neuwagen. Den ein oder anderen Ölwechsel durfte ich schon erleben, wobei mir mein Motor von Zeit zu Zeit einige Probleme bereitet. Aus diesem Grund existiert auch dieser Blog, denn ich möchte euch an der Reperatur teilhaben lassen und das Wissen, was ich mir dazu täglich aneigne mit euch teilen, damit auch Ihr effiziente und erfolgreiche Mechaniker eurer selbst werden könnt. Meine Betriebssoftware macht hingegen einen sehr soliden Eindruck und entwickelt sich immer weiter. Vielleicht ist sie eines Tages in der Lage, sich selbst zu reparieren, heilen und zu pflegen.

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