Mittwoch, 2. Oktober: Heute ist unser letzter ganzer Tag im AirBnB – das heißt also auch: Wenn wir unseren Van heute nicht abholen können, sitzen wir ab morgen auf der Straße. David, der Verkäufer steht vermutlich überlicherweise nicht vor um 11 auf, weil wir bis dahin nichts von ihm hören. Das war gestern schon genauso. Wir werden langsam unruhig – vorallem Ich, weil um 14:00 noch ein Banktermin bei der ANZ auf mich wartet um meine Kontoeröffnung abzuschließen und meine Karte entgegen zunehmen. Da ich zuvor schon alles online beantragt hatte, sollte das ganze nicht länger als 10 Minuten in Anspruch nehmen – dachte ich. Aufgeregt bin ich trotzdem, weil ich nicht weiß, ob sie meinen Adressnachweiß vom AirBnB akzeptieren.
Pünkltich gegen 13:00 verlassen wir die Mountain Road und machen uns auf zum Sylvia Park, wo ich meinen Termin habe. David hat sich immer noch nicht gemeldet. Wir laufen seit 3 Tagen mit knappen 6000$ in der Tasche durch die Gegend und hoffen, es endlich gegen ein Auto eintauschen zu können – schon komisch.

Der Termin bei der Bank war die reinste Katastrophe…anstatt 10 Minuten, saß ich schlappe 60 Minuten mit einer Frau an einem Tisch, die mir weiß machen wollte, dass die Bank anfang der Woche ihre Bestimmungen geändert hat und nun keine temporären Wohnsitze mehr akzeptiert. Erst nachdem ich weiter nachgehagt habe und fragte, ob es für Backpacker ab jetzt vollkommen unmöglich sei, bei der ANZ ein Konto zu eröffnen, gab sie sich ein bisschen mehr Mühe, um mit mir doch noch eine Lösung zu finden. Im Endeffekt musste ich jetzt meine deutsche, permanente Wohnadresse angeben. Ob das jetzt mit dem traurigen Gesicht zusammenhängt, was ich gemacht habe, kann ich nicht sagen – ich muss schon ziemlich verzweifelt gewirkt haben xD Naja jetzt habe ich, wenn auch über Umwege, ein funktionierendes Bankkonto. Eine Bestätigung dafür, die ich eigentlich für die Beantragung der IRD (NZ Steuernummer) brauche, wollte und konnte Sie mir aber nicht geben…tja, das wird noch spannend.
Während ich da nun am Schreibtisch mit Mrs Wara sitze und ich mit meinen vor Aufregung und Verzweiflung schwitzenden Fingern versuche mein Handy zu entsperren, um der netten Dame einen Kontoauszug meines DKB-Kontos weiter zu leiten, taucht endlich die erlösende Nachricht von David am oberen Bildschirmrand auf: Wir können unseren Van heute abholen!! Der Tag ist gerettet 😉
Nach meinem Termin steigen wir gleich am Sylvia Park in den Zug Richtung Glen Eden – der Stadtteil, wo der Hänlder sitzt. Wir fahren ca. 45 Minuten mit dem Zug und werden von Minute zu Minute aufgeregter. Am Ende macht uns selbst der strömende Regen nichts aus, der uns bei der Ankunft in Glen Eden erwartet. Völlig durchnässt kommen wir bei „Pars Carshop“ an und stehen erstmal vor verschlossenen Toren. Oh nein…was soll das denn jetzt? Ein Blick aufs Handy verrät mir zudem, dass wir David ausversehen am Bahnhof – im wahrsten Sinne des Wortes – im Regen stehen gelassen haben. Er wollte uns bei diesem miesen Wetter eigentlich mit dem Auto holen – er tat mir ein wenig leid.
Letztendlich kam dann doch der Inhaber des Car Shops und drängte uns gleich in unseren zukünftigen Wagen einzusteigen. Es ist 16:56 und wir müssen noch zur Post um das Auto umzumelden. Die Post macht 17:00 zu…das wird eng. Dank des sportlichen Fahrstils von Pars schaffen wir es noch rechtzeitig und bekommen eine frische Self-Contained Plakette verpasst und kaufen 2000 Dieselkilometer (hier muss man die Kilometer bezahlen, wenn man einen Diesel hat, weil der Kraftstoff selbst seeehr günstig ist). Dass die Ummeldung an sich dann nochmal 200$ kostet, hat uns ziemlich überrascht…hui ui ui…der Tag ist teuer.
Anstatt einer kurzen Einweisung sitzen wir 1 Stunde durchnässt im Auto, während uns Pars den Linksverkehr erklärt…fast weitere zwei Stunden vergehen, bis wir dann endlich die Schlüssel in der Hand halten. Wir sollten eigentlich froh darüber sein, denn das zeigt, dass uns der Händler nicht möglichst schnell los haben und nie wieder sehen möchte. Er hat uns tausend mal gefragt, ob wir noch Wünsche oder Fragen haben…das war sehr nett, allerdings waren wir nass und es wurde langsam sehr kalt…wir wollten einfach nur unser Auto haben, die 40 Minuten nach Hause tuckern, einen warmen Tee und Essen kochen und uns trocken legen.
Auf dem Weg nach Hause, wurden wir vor so einige Herausforderungen gestellt. Mittlerweile war es stockdunkel und ich hatte keine Ahnung, wo das Licht an geht. Auf halber Strecke habe ich dann endlich den richtigen Schalter gefunden … Naja zumindest für das Standlicht ;o))
Verfahren haben wir uns im Großstadtdschungel auch noch ein paar Mal, sodass aus den 40 Minuten vom Navi dann doch eher 60 wurden. Aber das macht nichts – wir waren zu froh, endlich ein Auto und einen warmen Tee in Aussicht zu haben, als dass wir durch unsere ungewollte Erkundungsfahrt schlechte Laune bekommen konnten.
Der Moment als wir „Te Matomato“ – so haben wir ihn mittlerweile getauft – vor unserer Unterkunft geparkt, drei Mal geschaut haben, ob alles gut verriegelt ist und wussten, dass wir ab morgen nur noch Ihn als Küche, Bad, Schlafzimmer und Wohnzimmer haben werden, war total magisch!

An dieser Stelle vielleicht mal ein paar nähere Infos zu Mr Mato (aka Tomate, aka „Te Matomato“). Er ist ein Mitsubishi L300 Short Wheel Base (kurzer Radstand) von 2001. Wir drei sind also alle gleich alt, nur haben wir uns ein bisschen besser gehalten als Te Matomato, wie ich finde, denn vor lauter Beulen lässt sich die ursprüngliche Form nur erahnen. Wir entdecken immer wieder neue Beulen, wenn wir ihn nach einem Ausflug wieder sehen…man könnte fast meinen, dass er vom bloßen Hinsehen neue Beulen bekommt. Naja, aber das scheint hier sowieso eher eine Art Qualitätsmerkmal zu sein und mit aktuell knapp 308’000 Kilometern Laufleistung hat er eben schon einen ganz eigenen Charakter. Mr Mato hat einen neuen Zahnrimen, neue Räder, eine neue Batterie, neues Öl und neue Ölfilter – quasi ein gebrauchter Neuwagen 😉 Verstecken können wir uns mit Ihm theoretisch auch ganz gut, denn er ist grün, wie der Wald mit grauen Akzenten – daher auch der Name „Te Matomato“ – das heißt „der Grüne“ auf Maori. Da wir praktisch neben dem Motor sitzen, hat er absolut keine Front, nur eine Art Schnabel, den wir ziemlich lustig finden. Für seine „nur“ 85PS oder so, zieht er echt erstaunlich gut. Es macht einen heiden Spaß mit ihm die kurvigen Straßen hier zu erkunden. Nur der erste Gang ist so kurz übersetzt, dass er eigentlich vollkommen überflüssig ist.

Was gibt es sonst noch so zum Auto zu sagen? Hm…keine Ahnung, habt ihr Fragen? Dann immer her damit!
Am nächsten Morgen heißt es „früh aufstehen“, denn es gibt viel zu tun! Te Matomato bekommt erstmal eine ordentliche Grundreinigung, erst von Außen, dann von Innen verpasst. So lange wir Wasser, Reinigungsmittel und Lappen von Louise zur Verfügung haben, sollten wir das auch nutzen 😉 Wir putzen Scheiben und Oberflächen, befreien die Karosserie von Spinnenweben (Mr Mato scheint eine Hausspinne zu haben, denn obwohl wir nun schon seit mehr als einer Woche mehr oder weniger jeden Tag fahren, haben wir schon wieder Spinnweben am Auto…), entfernen Flugrost von den Scheibenwischern und desinfizieren vorsichtshalber alles, was man anfassen kann – wie Neu sozusagen – nur eben die 4. Hand von Second Hand.

Nach einem sehr dürftigen Mittagessen aus einer genialen Idee, die wir am Vortag hatten, geht unser Startkommando in die zweite Runde! Ihr müsst wissen – es gibt hier keine Schokocreme, nur Erdnussbutter und Marmelade (…und Nutella, da kann aber nicht die Rede von „Schoko“ sein. Mehr als Palmöl, Zucker und Milchpulver ist das nicht (mehr)). In unserer Not und Sehnsucht nach einer streichbaren Schokocreme für das Brot, kam mir die, einfach ein Stückchen Schokolade mit etwas Butter zwischen zwei Toasts zu legen und im Sandwichmaker zerlaufen zu lassen. Wir hatten zwar kein Toast mehr, aber es war genial ;D
Hui, ich habe das Gefühl, der Blogeintrag ist schon wieder ziemlich lang…Upsi.
Naja, wie unser Startkommando in die zweite Runde geht, erfahrt ihr dann beim nächsten Mal. Bis dahin: Alles Gute!!!