Heute ist Dienstag der 1. Oktober – das heißt, ich bin jetzt schon eine ganze Woche in Neuseeland. Für Einheimische mögen meine ersten Tage so unspektakulär wie nur irgendwie vorstellbar gewesen sein, aber für mich ist und war dann doch Vieles neu.

Aufgrund des miserablen Wetters habe ich mich für ein Taxi namens „Super Shuttle“ entschieden, um vom Flughafen nach Mount Wellington – den Stadtteil meines AirBnBs – zu kommen. Es gibt zwar auch den sogenannten „Sky Bus“, der wesentlich günstiger ist, aber der fährt nur nach Auckland Citiy – sprich: das Zentrum und nicht in die letzte Ecke, wo meine Unterkunft liegt. Nun ja, die 45 Dollar von der Taxifahrt schmerzen zwar immer noch ziemlich stark, aber in Anbetracht des miserablen Wetters an diesem Mittwoch Nachmittag, konnte ich diese Wunde ganz gut ignorieren.

Zu meinem Bedauern konnte der Taxifahrer nichts mit meiner Adresse – 11/9 Mountain Road, Mount Wellington – anfangen und ist bei vollem Bewusstsein erstmal knappe 3 Kilometer an meiner Straße vorbeigerauscht. „Dann halt nicht.“ dachte ich mir und hoffte, dass meine VISA-Card auch funktioniert, denn sie hat vor dem Abbuchungsgerät des Taxifahrers noch kein Anderes gesehen. Die Entjungferung lief aber ohne Probleme ab, was mich bei dem Wetter auch sehr gefreut hat.

Drei Kilometer laufen ist ja an sich nicht DAS Problem, aber da das Laufverhalten mit Rucksack und Seitenwind ein fragwürdiges Bild ergibt, war der Weg dann doch – ehm – lustiger als erwartet. Man hätte meinen können, Virgin Australia hatte überschüssige Prozente an Board und hat kurzer Hand Wasser durch Schnaps und Wein ersetzt.

Es gibt sooo unglaublich viel zu erzählen, oder besser zu schreiben. Aber mir fehlt leider die Zeit, aber vorallem der Strom. Mittlerweile liegen wir beide nämlich schon im Van – momentan an einem netten See irgendwo südlich von Hamilton. Ich versuche aber trotzdem mal alle wesentlichen Eindrücke meiner ersten Tage in Auckland hier auszudrücken – es ist ja schließlich viel passiert in den letzten Wochen!

Bei Sturm und Regen komme ich an der Unterkunft von Louise – meiner Gastgeberin – an und bin heilfroh, dass es noch ein wenig hell draußen ist. Bei Dunkelheit hätte ich die kleine Hütte nie und nimmer gefunden. Zum Glück kam Louise genau im richtigen Moment von der Arbeit, denn die Türschlösser hier funktionieren irgendwie vollkommen gegen jede Logik.

Endlich angekommen in der guten Stube musste ich mich erstmal ein wenig orientieren, bin dann aber ziemlich zügig im Bett verschwunden. Die meisten Häuser hier sind alles andere als massiv – so auch der „Block“ in dem Loise ihre Wohnung hatte. Mein Zimmer war sehr groß, aber auch mindestens genau so hellhörig und kalt. Meine ersten Gedanken nach der ersten Nacht: „Wie mitten auf der Straße nur mit Sichtschutz.“ Man hat tatsachlich alles gehört, nichts war isoliert und dementsprechend kalt war es. Aber so sind die „Bretterbuden“ hier. Ich habe mega gut geschlafen und hatte ziemlich großen Hunger als ich gegen 10 aufwachte. Kein Wunder: Das Abendessen habe ich weggelassen und zum Frühstücken hatte ich sowieso nichts. Also, erste Mission für heute: Essbares suchen und finden! Allerdings war es so dermaßen kalt und verregnet, dass ich mich gar nicht aus dem Bett getraut habe. Was macht man da also? EReader rausholen und liegen bleiben. Irgendwann wurde der Hunger dann doch zu groß. So habe ich mich nach einer warmen Dusche im kalten Badezimmer dann doch nach draußen ins große Unbekannte gewagt.

Entlang einer relativ breiten Straße entdeckte ich erst einen ziemlich großen Asiamarkt, wo ich endlich etwas Essen auftreiben konnte: Bananen!!! Na gut, damit lässt sich zwar der Mittagshunger befriedigen, aber für die nächsten Tage und auf Dauer kann ich mich nicht nur von Bananen ernähren. 800 Meter weiter gibt es einen Countdown (neben „Pack’n’Safe einer der günstigeren Supermärkte hier). Ich war ziemlich überfordert und gleichzeitig beeindruckt von der Größe dieses Ladens.

Wenn es bei uns 3 unterschiedliche Marken Toast und ein Regal voll davon gibt, ist das schon ziemlich viel. Da es hier in Neuseeland kein normales Brot, Brötchen oder irgendetwas vergleichbares gibt, erstreckt sich die Auswahl an Toast über einen kompletten 15 Meter langen Gang. Krass… Hier gibt es Toast in den unterschiedlichsten Varianten: klassisch weiß, rustikal, „Bauernkruste“, mit Linsen und Quinoa, Vollkorn (…, was aber nicht viel mit Vollkorn zu tun hat) und so weiter. Leider ist es eine absolute Ausnahme, wenn man mal ein Toast findet, wo nicht extra noch reines Gluten beigemischt wird.

Bei allen anderen Lebensmitteln ist die Auswahl übrigens ziemlich ähnlich. Die Käsepackungen erreichen Dimensionen von über einem Kilogramm, Mehl gibt es üblicherweiße in Packungen mit 5-15Kg und dasselbe mit dem Zucker. Alles ist entweder ein bisschen oder verdammt viel teurer, außer ein paar Sachen: Kiwis, Orangen, Bananen und -jetzt kommts – Lindtschokolade sind günstiger als in Deutschland. Naja, da wissen wir ja, wovon wir uns die nächsten 50 Wochen oder so ernähren 😉

Am Nachmittag habe ich mir erstmal eine SIM-Karte im sogenannten „Sylvia-Park“ – ein großes Einkaufszentrum, 40 Minuten Fußweg von meiner Unterkunft entfernt – besorgt. Auf dem Weg dahin habe ich einen Pack’n’Safe entdeckt und wurde von einem Typen zugequatscht, der mich irgendwie bekehren wollte. Er hat mich so lange verfolgt und nicht los gelassen, bis ich ihm ein Gebet nachgesprochen habe…und ich dachte immer, Veganer seien aufdringlich. Naja schlussendlich habe ich dann bei „Spark“ eine Prepaid-Karte bekommen und war stolz den ersten Tag und Schritt gemeistert zu haben.

Darauf folgten relativ „normale“ Tage, wenn man das so sagen kann. Ich habe (versucht) mein Bankkonto zu eröffnen, meine Umgebung zu erkunden, den Pack’n’Safe unsicher zu machen, Auto-Angebote verglichen und Essen gemacht.

Als ich dann am Donnerstag meine Reisebegleitung vom Zug abgeholt habe, wurde es langsam spannender. Wir haben den Mount Wellington bezwungen, der praktisch schon fast im Garten von Louise steht und mit seinen 130 Metern in die Höhe ragt, waren Einkaufen und hatten dann am Samstag schließlich unseren ersten großen Tag: Automarkt Nummer Eins.

„Der Wind da oben hat uns fast umgehauen – mehr noch als die Aussicht“

Für den Automarkt sind wir mit dem Zug in die Innenstadt von Auckland gefahren. Wir waren etwas erstaunt, als wir plötzlich vor einem – wirklich – kleinem Parkplatz mit vllt 14-20 Autos standen. „Das soll der berühmte Car-Market sein?“ Etwas stutzig machten wir uns auf die Suche nach einem Wagen, der unseren Vorstellungen entspricht: Ein Van, etwas ausgebaut und maximal 6000$. Die Auswahl beschränkte sich mit diesen Vorstellungen auf zwei Fahrzeuge. Einer für 3700$, der einen sehr wackeligen Eindruck machte und einen für 5999$ – Schmerzgrenze. Der Verkäufer war nett und wir konnten uns sogar auf Deutsch verständigen. Nach einer Probefahrt hielten wir kurz Absprache und machten schließlich eine Anzahlung von 500$ für das Auto. „In 3-4 Tagen sollten wir ihn dann abholen können.“ meinte David, der Verkäufer.

Wir waren happy, dass wir so schnell einen Wagen gefunden haben, der uns zwar noch nicht gehörte, aber es zumindest mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit bald tun wird. Okey zugegeben: Wir wussten, dass wir spät dran waren mit der Autosuche und es nicht mehr viele Angebote geben wird…eine richtige Wahl hatten wir also nicht. Und unsere Entscheidung war gut – …nicht auf den anderen Automarkt einen Tag später zu vertrauen. Der war zwar deutlich größer, aber auch von den Preisen deutlich höher. Da wäre nur so ein Toyota-Estima-Großraumkombi in unserer Preisklasse gelegen.

Da ich das erste mal in der City von Auckland war, haben wir uns danach noch ein wenig umgeschaut. Kurz gesagt: Auckland ist komisch. Es gibt weder ein richtiges Zentrum, noch eine Fußgängerzone, einen zentralen Platz, oder irgendetwas, was einem das Gefühl gibt „angekommen zu sein“. Die Häuser sind total zusammengewürfelt, wie in der Traumstadt vom Film “ Inception“. Große Bankengebäude ragen über Bruchbuden, die mitten drin irgendwo an der Straße stehen.

Der Hafen ist ziemlich groß…viele – vorallem kleine – Yachten stehen dicht an dicht…aber auch hier: Es verläuft alles irgendwie. Einen Anhaltspunkt, eine Art Zentrum gibt es nicht. Wir wussten beide nicht genau, wie wir das Gefühl beschrieben sollten, aber wir waren und sind uns einig: „Hier fehlt irgendwas.“

„Auckland ist extrem bergig“
„…nur ein kleiner Teil des Hafens.“

Die nächsten Tage bestehen mehr aus warten und kochen, als aus sinnvollen Tätigkeiten. Erst am Mittwoch wird es wieder spannend. Doch dazu später mehr 😉 – wenn ich wieder Strom habe…

Dienstag Abend war einer von – ich glaube 4 oder 5 – „Auckland Nightmarktes“ zufällig in unserer Nähe. Wir hatten gehofft, dass wir da etwas essbares finden, aber die asiatischen Fressbuden hatten nur Tonnenweiße, fettig frittiertes Fleisch zu bieten, was uns eher traurig, als hungrig gestimmt hat. Wir haben dennoch einige Teigtaschen, gefüllt mit Gemüse und ebenfalls frittiert gefunden und probiert…ja, war halt fettig.

So, das wars! Tschau und bis zum nächsten Mal!

Veröffentlicht von Manu

Mit dem Baujahr 2001 bin ich in meiner Branche noch ziemlich frisch - praktisch noch ein Neuwagen. Den ein oder anderen Ölwechsel durfte ich schon erleben, wobei mir mein Motor von Zeit zu Zeit einige Probleme bereitet. Aus diesem Grund existiert auch dieser Blog, denn ich möchte euch an der Reperatur teilhaben lassen und das Wissen, was ich mir dazu täglich aneigne mit euch teilen, damit auch Ihr effiziente und erfolgreiche Mechaniker eurer selbst werden könnt. Meine Betriebssoftware macht hingegen einen sehr soliden Eindruck und entwickelt sich immer weiter. Vielleicht ist sie eines Tages in der Lage, sich selbst zu reparieren, heilen und zu pflegen.

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