Northlandstories One:
Die monotone Arbeit macht uns wahnsinnig, sie unterfordert uns geistig und lässt das innere Geblapper immer lauter werden. Ganz spontan ändern wir mal wieder unsere Pläne und entscheiden uns, morgen den letzten Tag arbeiten zu gehen.
Unser letzter Arbeitstag macht sogar richtig Spaß und endet – bedingt durch Starkregen – auch unerwartet früh gegen 12:00. Zur Feier des Tages schauen wir uns noch den Mount Manganui in Tauranga an und gönnen uns einen Kebab mit Falafel und Hummus. Der Start in eine neue Phase hat begonnen 🙂
Der Abscheid von unserem Lieblingsplatz fällt uns dann doch etwas schwer, obwohl es sich jediglich um ein Klo am Meer mit Parkplatz handelt. Komisch, aber aus irgendeinem Grund baut man dann doch relativ schnell eine Verbindung zu einem Ort auf – er war ja schließlich für knapp 8 Wochen unsere gewohnte Umgebung – unser Grundstück.
Unser Weg bis an die nördlichste Spitze Neuseelands führt uns durch vielen kleine und große Abenteuer. Unser erster Stopp ist eine alte Goldmine mit dem Namen „Karangahake Gorge“. Hängebrücken führen durch die Täler, wo einst jeden Tag hunderte Menschen Gold abgebaut und Tunnel in die Felsen geschlagen haben. Einige dieser Tunnel konnten wir – mit Taschenlampen bewaffnet – erkunden und waren überrascht, dass das ganze Gelände öffentlich zugänglich war. Keine Lampen, kein Eintritt, keine Betonklötze oder Absperrungen – nur alte Warnschilder, Hängebrücken und Tunnel, die teilweise erstaunlich tief in den Berg hinein reichen. Manche hatten einen Wasserschaden und bei anderen konnte man den verbliebenen Schienen für die Loren bis in vollständige Finsterniss folgen.
Neben Wasserfällen und großen Kauriwäldern, durch die wir uns schlagen mussten, standen wir bereits am dritten Tag nach unserem abrupten Aufbruch vor einer unerwarteten Herausforderung. Zufällig landen wir in einem Ort namens „Piha“, an der Westküste nördlich von Auckland. Wir parken Mr Mato an einem Lookout und können von oben auf die lange Küste und den – mehr oder weniger – berühmten „Lions Rock“ blicken. Allerdings gibt es da eine Sache, die uns ein wenig beunruhigt. Die Tanknadel von Mr Mato steht praktisch auf E. „E“ wie empty – leer. Mich verwirrt das ganz schön, weil wir mit dieser Tankfülling erst knappe 300 Kilometer gefahren sind. Und ein Diesel, der nicht mal 400 Kilometer schafft? Gibts sowas überhaupt? Meine Recherche nach dem Fassungvermögen des Dieseltanks von Mr Mato führt ins Leere. Nirgendwo kann ich in den technischen Daten finden, wie viel Liter Diesel in unser Auto passen.
So hätten wir mit unserem Durchschnittsverbrauch ganz einfach ausrechnen können, ob wir jetzt da runter in die Bucht fahren können und morgen auch ohne Abschleppwagen wieder zur nächsten Tankstelle kommen. Tja, letzendlich fahren wir auf gut Glück, aber mit einem mulmigen Gefühl, in das Tal hinunter und erleben einen bombastischen Sonnenuntergang. Am nächsten morgen klettern wir bis ganz an die Spitze des Lions Rock. Die wurde vor ein paar Jahren für Touristen gespperrt, was wohl auch gerechtfertigt ist, wenn man sich den „Weg“ anschaut. Der kleine Nervenkitzel zahlt sich aber aufjedenfall aus! Als Belohnung für die Kletterpartie dürfen wir uns über freie Sicht auf die gesamte Bucht von Piha mit der Steilküste, dem traumhaften Strand und den vielen kleinen Hütten, die direkt in den Urwald in den Hang gebaut wurden, freuen. Danach heißt es aber: Tankstelle finden!
Wenige Tage später stecken wir in einer ähnlichen Situation. Von Port Albert – einem wundervollen kleinen Stellplatz am Rande eines Meerausläufers – wollten wir weiter Richtung Norden fahren. Ein kleines Örtchen „Opononi“ sollte noch als Zwischenstation dienen, bis wir in die letzte größere Stadt Neuseeland aufbrechen.
Wir legen einen Zwischenstopp bei den sogenannten „Kai Iwi Lakes“ ein und lassen uns von dem tiefblauen Wasser der Seen verzaubern. Wow, dieser Ort ist einfach nur traumhaft! Die drei Seen – ein großer und zwei kleinere – sind von dichtem Nadelwald umgeben, der einen harten, aber magischen Kontrast zu den Sandstränden und „Steilküsten“ an den Seeufern, darstellt. Am liebsten würden wir hier bleiben und die sommerlichen Temperaturen in diesem kleinen Paradies genießen. Allerdings haben wir ja so etwas wie einen Zeitplan…dem wir zwei Tage vorraus sind…aber pssst das muss ja Keiner wissen.
Nach einer weiteren langen Fahrt über endlose Hügellandschaften taucht vor uns plötzlich eine riesiege Sanddüne auf. Wow, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Fasziniert fahren wir durch Opononi und suchen nach einem Platz für die Nacht … allerdings ohne Erfolg. Weit und breit finden wir keinen Platz, wo wir stehen dürfen. Auch, wenn wir heute schon fast 5 Stunden im Auto saßen – uns bleibt wohl nichts anderes übrig als noch weitere zwei Stunden Richtung Awanui zu fahren, wo wir legal stehen dürfen.
Die Straßen winden sich und führen rauf und runter, und wieder eine enge Kurve. Zwischendrin türmen sich uralte Kauribäume auf und urige Brücken bringen uns sicher über Flüsse und Sumpfland. Doch zu unserem bedauern können wir diese tolle Landschaft – den Urwald – nicht so recht genießen, denn die Tanknadel kratzt schon wieder am unteren Ende der Anzeige. Mit Ach und Krach erreichen wir spätabends erleichtert Kaitaia, wo wir Mr Mato wieder auftanken können.
So sahen die ersten Tage im schmalen Northland Neuseelands aus. Aus den geplanten sechs Nächten bis Awanui sind letzendlich nur drei geworden. Ihr wisst ja – das mit dem Planen ist so eine Sache.





