Northlandstory Two:

Bevor wir nun bis ans Ende der Welt – ehm Neuseelands – fahren, müssen wir unsere Vorräte noch ein wenig auffrischen. Obst, Gemüse, Haferflocken, Mandelmilch und Hummus gehören auf unsere „Routineliste“. Oh, und da fehlt doch noch etwas!? Ja, Schokolade ist auch wichtig, aber ich meine noch etwas, worauf wir tatsächlich mehr als auf alles andere angewiesen sind. Hmm. Ach stimmt ja. Wasser!! “ Und wo ist euer Wasser?“ Ehhm. Gute Frage. Als wir auf dem Weg nach Norden einen Toilettenstopp einlegen, kommt mir beim betätigen der Klospülung ein ganz mieser Gedanke.

Wir haben vergessen unsere Wasservorräte aufzufüllen. Super Idee! Die nächsten 300 Kilometer gibt es höchstens noch Meerwasser mit Algengeschmack und einer leicht salzigen Note im Abgang. Wir fahren also noch einmal nach Kaitaia und belasten die Stoßdämpfer von Mr Mato mit zusätzlichen 30kg Wasser nachdem wir eine halbe Stunde den Knopf am öffentlichen Wasserspender penetrierten. Aber was solls, ohne Wasser gibts Niemanden, der lange rollt. …okey sorry, der war schlecht. Ich sollte die Sache mit dem Reimen lieber lassen 🙂

Ehrlich gesagt hat mir meine Vorstellung ein ganz anderes Bild vom Northland präsentiert als jenes, was wir gerade zu Gesicht bekommen. Extrem viele Hügel, Wald, ab und an ein kleiner See, gute Straßen und nachwievor Menschen, die hier in diesem Zipfel leben. Tja, manchmal weichen unsere Vorstellungen, von denen wir glauben sie wären die Realität, sehr stark von der Wirklichkeit ab und täuschen uns. Allerdings liegt es an uns, ob wir diese Täuschung unseres Verstands als Enttäuschung oder einfach als neu gewonnenen Eindruck auffassen.

Wir machen einen kleinen Abstecher in ein Dorf namens „Te Hapua“, wo wir endlich wieder Schotterpiste fahren und eine fette Staubwolke hinter uns her ziehen können. Ich mag diese Abgeschiedenheit und rauen Straßen. Genau da fühlt sich Mr Mato wohl, denn die fliegenden Steine, sind wie eine Massage für seine zerbeulte Außenhaut. Ein Kratzer mehr oder weniger ist für unseren robusten Japaner nur ein kitzeln 😉 Das Örtchen Te Hapua ist an sich absolut unspektakulär – eher gruselig, weil wir plötzlich abseits aller Touristenpfade in einem alt eingesessenen Dorf gelandet sind, wo wir misstrauisch beäugt werden. Ich knipse ein paar Bilder und überprüfe die Funktionalität des öffentlichen Plumsklos. Testbericht: Mangelhaft (das Klopapier war leer…oh, und man konnte die Tür nicht verriegeln, weshalb man während seines Geschäfts akrobatische Meisterleistungen vollbringen muss um sowohl die richtige Öffnung zu treffen, als auch gleichzeitig die Tür zu blockieren. Ich habe jetzt noch Muskelkater vom „wütenden Flamimgo“ – so habe ich meine Yoga-Figur getauft, die ich dabei machen musste.)

„Boarding completed…“ sage ich zu Helena, während ich mir die Nase zu halte und die Durchsagen aus einem Flugzeug imitiere. „Ladies and Gentleman, please fasten your seatbelt and halten sie eine Plastiktüte bereit. In wenigen Augenblicken sind wir bereit Te Hapua zu verlassen. Unsere Reisegeschwindigkeit wird circa 60km/h betragen und durch die Schotterstraßen kann es zeitweise zu starken Turbolenzen kommen. Deshalb bitten wir Sie, bei Übelleit rechtzeitig den Steuermann zu informieren.“ Üblicherweise schleichen wir alle Schotterpisten mit 10-20km/h entlang. Doch hier, heute ist alles anders, denn die Straßen sind unfassbar breit, super einzusehen und das Gefühl für Mr. Mato ist nach knapp 5000 Kilometern mittlerweile deutlich angestiegen. Wir fahren nicht nur durch die Pampa, wir driften regelrecht. Die Dicke Schotterschicht unter den Reifen von Mr Mato lässt unere Hinterachse in den Kurven immer wieder ausbrechen, was ersteinmal ein wenig Angst macht. Ziemlich schnell bekomme ich aber ein Gefühl dafür und es fängt an, richtig Spaß zu machen – sein Auto kennen zu lernen.

Wir fahren nach „der Ort, der bei Google Maps nicht existiert“ und müssen dann enttäuscht feststellen, dass das letze Stück zum „Ort, der bei Google Maps nicht existiert“ privater Grund ist und angeblich Video überwacht wird. Na gut, dann driften wir halt die 25 Kilometer „Gravel Road“ wieder zurück…

…oder auch nicht. Wir stellen fest, dass wir auch in die andere Richtung weiterfahren und dort die Nacht auf einem DOC-Platz verbringen können. Das DOC – „Department of Conservation“ managed über 200 Campingplätze und unzählige Hütten auf der Nord-und Südinsel. Manche kosten Geld und Manche nicht. Einige sind nur per Kayak oder Kanu erreichbar und andere erfordern Allradfahrzeuge und eine ganze Menge Feingefühl am Steuer, um zu ihnen zu gelangen. Das DOC verwaltet die Nationalparks Neuseelands und sorgt für ihren Schutz … und, dass das Klopapier in den Plummsklos nicht ausgeht 😉 Gleichzeitig hat das DOC aber auch die Aufgabe, dass die Menschen Zugang zu den schönsten Orten des Landes haben.

Die Sache mit dem Allradfahrzeug nehmen wir manchmal nicht ganz so ernst, was uns schon so einiges an – ich nenne es jetzt mal – „Abenteuern“ beschert hat. Aber dazu ein anders Mal mehr.

Als wir auf dem DOC-Platz ankommen, stellen wir fest, dass wir gar kein Kleingeld (Münzen) haben. Allerdings müssen wir 26$ für die Nacht bezahlen, was ohne Münzen ziemlich schwer ist. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: In einer Wasserdichten Box liegen Formulare, die wie Umschläge aufgebaut sind. In den Umschlag packt man das Geld, klebt ihn zu und gibt an der Rückseite noch Name, Land und Kennzeichen sowie „Check in und Check Out“ an. Dann füllt man noch so eine Art „Ticket“ mit denselben Daten aus und hängt das irgendwo ans Auto. Der Umschlag kommt in eine sogenannte „Honesty Box“, die der Ranger jeden Tag (angeblich) leert. Da wir keine Münzen haben, packen wir nur 25$ in den Umschlag und schreiben „Sorry we ran out of coins.“ auf die Rückseite des Umschlags und malen noch einen großen, traurigen und bemittleidendswerten Smiley daneben.

Der Platz trägt den Namen „Spirits Bay“ obwohl er wohl eher Namen wie „Spritzen-Bay“, “ Vampir-Bay“ oder „Schmerzfreie Blutspende-Bay“ verdient hätte. Warum, erfahrt ihr im nächsten Blog. Außerdem könnt ihr dann lesen, wie aus dem kleinen Träumchen in schönster Natur ein großer Albtraum in (trotzdem) schöner Natur geworden ist.

See you!

Ich habe heute leider kein Bild für dich. :/ – wir sind leider zu selten in einer Bibliothek um Kamerabilder zu bearbeiten…Sobald ich wieder Bilder habe, werde ich einen eigenen Blogbeitrag mit ihnen veröffentlichen 😉 Praktisch ein Bilderbuch ^^

Veröffentlicht von Manu

Mit dem Baujahr 2001 bin ich in meiner Branche noch ziemlich frisch - praktisch noch ein Neuwagen. Den ein oder anderen Ölwechsel durfte ich schon erleben, wobei mir mein Motor von Zeit zu Zeit einige Probleme bereitet. Aus diesem Grund existiert auch dieser Blog, denn ich möchte euch an der Reperatur teilhaben lassen und das Wissen, was ich mir dazu täglich aneigne mit euch teilen, damit auch Ihr effiziente und erfolgreiche Mechaniker eurer selbst werden könnt. Meine Betriebssoftware macht hingegen einen sehr soliden Eindruck und entwickelt sich immer weiter. Vielleicht ist sie eines Tages in der Lage, sich selbst zu reparieren, heilen und zu pflegen.

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten