Northland – New Zealand 4

Northlandstories four:

Ich erzähle euch nun von einem Tag, der -unerwartet – wahrscheinlich einer der besten und aufregendsten in Neuseeland bisher gewurden ist.

Der Tag nach dem Krieg – dem Mückenkrieg: Total verpeilt und noch müde von den vielen Blutspenden, fahren wir Richtung „Te Paki“. Das ist nicht wirklich ein Ort, sondern eher so eine Art Region. „Te Paki Giant Sand Dunes“ – da geht es hin. Wir sind praktisch die ersten an diesem Morgen, die vor dem LKW einer kleinen Familie stehen und darauf warten, Sandboards auszuleihen. Wir wollen Sanddünen reiten gehen.

Die größe dieser Dünen haut mich regelrecht um, als wir uns mit zwei Brettern bewaffnet auf den Weg zum ersten Abhang machen. Sie sind unfassbar hoch und erstrecken sich über mehrere Kilometer länge – so eine Art Microwüste mitten in Neuseeland. Für mich ist dieser Anblick und der Schnupperkurs „Wüste“ aus irgendeinem Grund viel beeindruckender als der versprochene „Rutschspaß“ an den Dünen.

Wir heizen mehrere Hügel herunter und haben trotz der unverhältnismäßig hohen Anstrengung zum erklimmen der Gipfel, eine Menge Spaß. Anfang, Mitte Dezember ist hier noch nicht all zu viel Betrieb, was die ganze Sache definitiv sehr angenehm macht. Ein paar Wochen später sah es schon ganz anders aus. Da konnte man den Sand vor lauter Menschen nicht mehr sehen.

„Auf dem Bauch geht es den Hang hinab.“

Gut gelaunt geben wir nach ca. 3 Stunden Fahrspaß und Staunen die Bretter wieder ab und steigen wieder ins Auto Richtung „Cape Reinga“ – dem nördlichsten Punkt Neuseelands.

Auf dem Weg dahin, halten wir am Ninety Miles Beach – einem seeeeehr langen und extrem breiten Strand, den man (theoretisch) mit dem Auto befahren kann. Etwas zögerlich checke ich mal eine Zufahrt zu dem Strand und stelle schnell fest: „Auf gar keinen Fall! Zu viel loser Sand. Da kommen wir niemals drüber.“ Der Strand an sich sollte eigentlich überhaupt kein Problem sein, denn bei Ebbe liegt ein sehr breiter Streifen frei, der hart genug ist, um ihn zu befahren. Aber die Zufahrten sind halt aus normalem, losen, tiefen Sand, wie man es von jedem normalen Strand kennt.

Ein wenig enttäuscht fahren wir weiter und machen Mittagspause auf einem kleinen Hügel. Die Idee vom Ninety Miles Beach lässt mich einfach nicht los – das ist doch eine einmalige Chance – wo kann ich denn sonst mit dem Auto über einen Strand brettern?

Als wir am Cape Reinga ankommen, laufen wir ein paar Minuten zum Leuchtturm und zerschmelzen förmlich in der Mittagssonne. Hier hört Neuseeland nun aber entdültig auf – ein komisches Gefühl, denn so richtig begreifen kann man das nicht. Genauso wenig, wie die Tatsache, dass ich gerade am anderen Ende der Welt stehe und auf die Kilometerangaben der gelben Pfeile schaue, die nach London, Tokyo, New York und in die ganze Welt zeigen.

„Autsch!!!“ rufe ich als ich den Rückwärtsgang einlege und mir meine Hand an dem schwarzen Schaltknüppel von Mr Mato verbrenne. Langsam aber sicher manövriere ich unsere Sauna aus der engen Parklücke und kann es kaum erwarten die Klimaanlage anzuwerfen. Die funktioniert allerdings nur bei voller Fahrt mit offenem Fenster, denn wir haben KEINE! Dafür lässt sich unsere „Luftkühlung“ durch die Kurbel am Fenster sehr präzise einstellen, was binnen weniger Minuten eine angenehme Atmosphäre im Auto schafft – wer braucht schon eine Klimaanlage?

Auf dem Rückweg – vom Cape Reinga nach Awanui – übermannt uns plötzlich das Gefühl, wir würden eine einmalige Chance verpassen, wenn wir den Ninety Miles Beach einfach unbeachtet hinter uns lassen. Circa 20 Minuten später stehen wir an einer anderen Zufahrt auf den Strand. Kopf kratzend beäuge ich den etwa 25 Meter langen Sandsteifen vor mir misstrauisch.

25 Meter tiefer Sand gegen einen drei Tonnen schweren Japaner. Ohne Allrad. 87 Pferdestärken. „Tiefer gelegt“ (…,weil wir so schwer sind.). Und Reifen, die von einem Fahrrad stammen könnten und mit einem Profil von Formel 1 wagen ausgestattet sind. „Mit genügend Schwung kommt man überall durch“ höre ich die Stimme aus einem Film von einem Mann, der mit dem L300 einmal quer durch die mongolische Wüste gefahren ist, in meinem Kopf. Na gut, dann schaffen wir das auch!

Ich lege den Rückwärtsgang ein um meine Anlaufstrecke voll auszureizen. Die GoPro ist auf Go und meine Canon 80D auch. Mit schwitzenden Händen lege ich den ersten Gang ein und umgreife das Lenkrad. „Na dann mal los!“.

Gas, Gas, Gas!! Mit 40km/h im dritten Gang rasen wir auf den Sand zu, die ersten Meter klappen gut, wir schlingern. Ich versuche trotzdem in der Fahrspur zu bleiben…keine Chance. Wir stehen. Schluss aus. Wir stecken fest. Ich versuche noch ein paar Mal wieder anzufahren – es ist zwecklos!

Na gut, dann buddeln wir halt. Als erstes graben wir die Hinterreifen wieder frei und legen unsere Schneidebretter aus Holz möglichst weit unter die Reifen. Sie sollen unsere nicht vorhandenen Sandbleche ersetzen…und dabei hoffentlich nicht zu Bruch gehen. Ich lasse von beiden Reifen noch ein wenig Druck ab, damit wir mehr Grip haben. Zuversichtlich klettere ich hinters Steuer, starte den Motor und gebe langsam Gas. Mehr, Mehr und Mehr…doch nichts tut sich.

Okey anscheinend müssen wir noch mehr graben. Neben uns befindet sich ein circa 1,50 Meter hoher Sandhügel, der soeben von einem 4×4 Jeep überfahren wird, als wäre es das leichteste in der Welt. Innerlich, bedanke ich mich für die „Freundlichlkeit“ uns (nicht) zu helfen. Naja, hilft ja alles nichts. Wir graben weiter…und war da nicht irgendwas mit Flut und Ebbe oder so? Tempoooo, die Flut kommt bestimmt! Erst nach 15 Minuten Reifen frei buddeln begreifen wir endlich, dass das Problem gar nicht die festgefahrenen Reifen sind, sondern ein riesiger Sandhaufen, der sich unter Mr Mato aufgeschoben hat. Mr Mato hat es sich praktisch mit seiner Hinterachse – also seinem Arsch – auf dem Sand bequem gemacht. Kein Wunder, dass wir so nicht hier raus kommen. 20 Minuten schaufeln wir mit unseren Schneidebrettern den Sand zur Seite und legen Mr Mato Stück für Stück wieder frei. Doch es dauert ewig. Unser Auto ist so niedrig, sodass wir einmal komplett auf dem Sand aufsitzen. Nach weiteren 10 Minuten überholt uns ein junges Mädchen in einem blauen Pick Up und kommt vor uns zum stehen. Mit Bier in der Hand und großer Sonnenbrille vor den Augen, springt sie aus dem Pick Up und kommt auf uns zu.

„Do you think I can help you out there?“ fragt sie uns freundlich. „Oh yes, we really would appriciate it :)“ antworte ich, woraufhin sie ein Abschleppseil aus ihrem blauen Ford Raptor holt. Wir führen ein wenig Smalltalk während wir das Seil an Mr Mato befestigen. Ich soll ein wenig Gas geben und ganz langsam hinter ihr her rollen, wenn sie mich aus dem Sand zieht. – Puhh, da hatten wir nochmal Glück gehabt, dass es letztendlich so einfach ging.

Wir bedanken uns vielmals und wünschen unserer Helferin in der Not einen tollen Tag.

„Ehhm, can I ask you something else?“ (Ehhm, kann ich dich noch etwas anderes fragen?) rufe ich ihr hinterher, als sie das Abschleppseil in einer Box auf der Pritsche des Fords verstaut. „Oh yes. Of course you can!“ (Ja, klar. Kannst du.)

„Do you think we are able to do it out from the beach later as well? I am not sure if our car is suitable to go out form here again…through the sand.“ (Meinst du, wir kommen hier später auch wieder runter von dem Strand? Ich bin mir nicht sicher, ob unser Auto dafür gemacht ist den Strand wieder zu verlassen…durch den Sand.) frage ich sie, während ein skeptischer Ausdruck über mein Gesicht huscht.

„Yeah I think so. Just use third gear and put your foot down!“. antwortet sie mir mit einem breiten Grinsen. Ah ja, ich soll also „einfach in den dritten Gang schalten und mit meinem Fuß das Gaspedal komplett runter kloppen.“ Okeeeey…wird schoon :o))

Und jetzt fahren wir doch tatsächlich mit unserem Auto auf dem Ninety Miles Beach – 15 Kilometer auf einer ultra glatten und weichen Fahrban. Wir schweben! Mit 110km/h dem Sonnenuntergang entgegen auf einem Strand. Rechts neben uns schlagen die Wellen der rauen Tasman See in den Sand, links türmen sich die Dünen auf, die wie Schleier an uns vorbei ziehen und vor uns ein scheinbar endlos langer Strand – Was für ein krasses Erlebnis!

Meine Beine fühlen sich noch ein wenig wackelig von der Aufregung gerade an, als uns unsere „Pannenhilfe“ lächelnd überholt und ihr Handy auf uns richtet. Hihi…wahrscheinlich landen wir jetzt auf Facebook oder Instagram mit dem Kommentar: „Und wieder ein paar unfähigen Touristen aus dem Sand geholfen. Nice to meet you!“.

Als wir uns der „Abfahrt“ nähern steigt meine Aufregung und mein Puls wieder merklich an. Ich halte Mr Mato einige Meter vor dem Ausgang an und checke erstmal zu Fuß die Lage. „Oha, hier gehts ja auch noch bergauf °•°!“ Jedenfalls kommen wir von dieser Seite nicht hoch, denn hier ist der Sand mega tief. Ich fahre also eine Schleife – vorbei an neugierigen Einheimischen, die mit ihren Allradfahrzeugen am Strand stehen und fischen. Am oberen Ende der Zufahrt sehen wir einen anderen Backpacker-Van-Fahrer, der die Situation interessiert verfolgt. Vermutlich überlegt er auch, sich auf den Sand zu wagen.

Nun gut, aufgeregt setzte ich zum Anlauf an und fahre mit Vollgas auf die sandige Steigung zu.. Ich breche ab. Wir sind zu langsam. Ich fahre noch eine weitere Schleife um mehr Anlauf nehmen zu können – neugierige Augen verfolgen uns. Wir sind anscheinend so etwas wie eine „Touriattraktion für Einheimische“ geworden. Naja, die haben wahrscheinlich ihren Spaß, Backpacker beim Scheitern zuzuschauen ;).

Okey, zweiter Versuch. Diesmal mit doppeltem Anlauf. Vollgas! Dritter Gang. Wir erreichen die Steigung. Wir werden langsamer. Die Reifen drehen durch. Noch langsamer. „Komm schon!!“ Mit Ach und Krach erreichen wir mit einem ordentlichen Schlag den Betonuntergrund und können wieder etwas Schwung für die nächste Etappe holen. „We did it!“

Der Puls auf 130 und glühende Räder, – wir erreichen wieder festen Boden unter den Rädern. Yeeeeeees. Das war mal ein Nervenkitzel! Voller Adrenalin fahren wir zurück nach Awanui, wo wir uns ein leckeres Abendbrot zubereiten und über die heutigen Erlebnisse lachen und philosophieren.

PS: Für alle – speziell Backpacker ohne Allrad, wie wir – die auch auf den Beach fahren wollen: In den allermeisten Fällen ist Hilfe in Sicht. Dort fahren sich häufiger Leute fest und es finden sogar ganze Bustouren (mit umgebauten Bussen) auf dem Strand statt. Wenn man sich nicht in der Nacht vornimmt auf dem Strand zu fahren, sollte es immer Leute geben, die euch helfen. Aber trotzdem: It’s your own risk!

Und immer schön auf die Gezeiten achten, sonst wird’s nass im Fußraum!

Das war es vorerst zur nördlichsten Spitze Neuseelands! Aber unsere Reise durch das Northland ist noch nicht vorbei, denn in einem letzten – 5. Teil – zum Northland warten noch einige spannende Highlights auf euch!

Bis dahin, habt eine gute Zeit! Cheers!

Northland – New Zealand 3

Northlandstories Three:

„Mücken sind keine Insekten. Mücken sind Arschlöscher!!!“

– Zitat, Manuel, 18, hat jetzt ein Mückentrauma.

Wir suchen uns einen gemütlichen Platz im Schatten auf der rießigen Grasfläche des DOC-Platzes „Spirits Bay“. Neben ein paar wenigen Campern finden wir unter einem Baum den idealen Platz. Wir spannen eine Leine zwischen Mr Mato und einem Baum, hängen unsere Sachen darüber und gehen eine Runde in der menschenleeren Bucht schwimmen – endlich mal wieder waschen! Nach einer gründlichen (natürlich arsch kalten) Dusche, bereiten wir unser Abendessen vor und klettern auf Bäumen herum, die praktisch wie dafür gemacht sind 😉

Mit Kamera und Belohnungsschokolade bewaffnet setzten wir uns nach dem Geschirr spülen an den ca. 100 Meter entfernten Sandstrand, geniesen den Sonnenuntergang und schauen einem lustigen Vogel zu, wie er mit seinem langen, roten Schnabel nach Insekten im Boden stochert. Es ist lustig und schön zugleich, seinen schnellen Schritten aufmerksam zu folgen. So eine Vogelart gibt es bei uns nicht. Um so spannender ist es, hier seine Futterjagd zu verfolgen. Als die letzten Sonnenstrahlen hinter einer Bergkette verschwunden sind, wird es ziemlich schnell, ziemlich kalt. Wir gehen zurück zum Auto, putzen Zähne und lüften nochmal ordentlich durch – eine grandiose Idee!

Als auch Helena vom Klo wieder kommt, werfe ich einen Blick ins Auto und falle vor Schreck fast um. Ein Mückenschwarm hat es sich über unserem Bett gemütlich gemacht. Nicht nur 2 oder drei Mücken sind plötzlich in Mr Mato, sondern 200-300 blutrünstige Vampirweiber belagern unseren Schlafplatz. „Heilige Scheiße.“ denke ich und werde zugleich von einem weiteren Schwarm über die Wiese gejagt. „Verdammter Mist. Was genau machen wir jetzt?“

Es folgt nun ein Auszug aus dem „Versuch einen Mückenschwarm zu entfernen – Katalog“:

1. Duftkerze anzünden und hoffen, dass die Viecher an einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung sterben und wie verkokelte Papierfetzen von der Decke fallen. Versuch: fehlgeschlagen

2. Duftkerze nach draußen stellen, weil die Mücken anscheinend vom Duft (oder eher dem CO²) angezogen werden. Versuch: fehlgeschlagen

3. Physik Leistungskursler stellt eine Theorie auf: Okey, wir machen jetzt nur die Heckklappe auf und ich setz‘ mich ans Steuer und gebe Vollgas. Nach einem großzügigen Halbkreis, machst du die Heckklappe schnell wieder zu und wir springen ins Auto. Meine Theorie, wir könnten die Mücken durch das Gesetz der Trägheit loswerden ist leider fehlgeschlagen.

4. Wir stellen uns hinters Auto, locken die Mücken an und rennen dann im Kreis. Versuch: fehlgeschlagen

5. Wir versuchen sie mit alten Cornflakespappen aus dem Auto zu wedeln. Versuch: fehlgeschlagen

6. Wir bauen einen Flammenwerfer aus einem Feuerzeug und Deo. Wir töten ein paar Mücken. Es macht Spaß. Unser Dach fängt an zu schmelzen. Es macht keinen Spaß. Versuch: teilweise erfolgreich

7. Hochprozentiger Alkohol (Desinfektionsspray) verringert die Flugfähigkeit der Vampire. Wir sprühen um die Wette und können einige dutzend Mücken entfernen. Versuch: teilweise erfolgreich. Nachteil: eine 86%ige Alkoholwolke im Auto wirkt sich recht schnell auf unsere Stimmung aus. Ich habe Kopfschmerzen aus einem Mix an Duftkerzenrauch, Deoduftstoffe, Treibmittel, Alkohldunst und dem Summen hunderter Mücken über unseren Köpfen.

8. Wir liegen mit dem Rücken auf dem Bett und töten Schlag für Schlag Mücken, die sich an der Decke tummeln. Bamm. Bamm. Treffer. Blut. Bamm. Versuch: Auswegslos

9. Es sind einfach zu viele. Wir rollen uns in das Bettlaken ein und versuchen unsere Körper mechanisch von den Vampiren zu beschützen. Doch die Luft wird recht schnell Mangelwaare unter dem Stoff. Wir versuchen zu schlafen. Es ist 2:30. Fazit: SCHLAFEN NICHT MÖGLICH!

Sobald die Sonne am Horizont zu sehen ist, reißen wir alle Türen auf und werden endlich den Mückenschwarm aus unserem Auto los. Denn sie sind glücklicherweise nachtaktiv und würden bei dieser Hitze im Auto tagsüber sterben. Unsere Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld. Berge von Klopapier mit hunderten Mückenkadavern und Blutflecken türmen sich bis zur Decke. Überall im Bett liegen zerfetzte Körper, abgerissene Flügel und Beine. Unsere Körper gleichen einer Huckelpiste – schlimmer als die meisten schlecht gebauten Straßen hier. Wir stehen vor der größten Herausforderung, die wir bisher meistern mussten: So gut wie irgendwie möglich, dem „Kratzzwang“ standhalten. Doch irgendwann übermannen uns die Juckreize. Wir verwandeln unsere Körper in blutige Mondoberflächen, die uns noch Wochen später an diese überaus „erholsame“ Nacht erinnern werden.

Die nächsten Nächte quälen uns Albträume. Ich träume von riesigen, blutsaugenden Tieren, die ihren Monsterstachel tief in meine Haut rammen. Noch Tage später hören wir das Phantomsummen über uns, wenn wir Abends im Bett liegen. Ich hasse Mücken alias Arschlöscher. Von „Zwangs-Blutspenden“ habe ich sowieso noch nie viel gehalten. Naja jedenfalls haben unsere Körper jetzt erstmal ein wenig mit der Neubildung von 10 Litern Blut zu tun (Okey, das ist vielleicht ein bisschen über trieben…).

Ich denke, wir haben unsere Lektion gelernt, auch wenn ich mich Frage, wie so viele Mücken auf einmal an diesem kleinen Fleck Erde leben können. Tja die Natur ist immer wieder für Wunder zu haben.

Wir verlassen die „Spirits-Bay“ mit gemischten Gefühlen, denn die Natur, der Sonnenuntergang, die Bäume, der Strand, das Meer – all das war einfach traumhaft. Der Mückenkrieg hat uns allerdings ein kleines Trauma verpasst. Aber wie heißt es so schön: „Experiences are the best education in the world.“

…ich habe das Gefühl, dieser Ort will uns noch nicht gehen lassen, nachdem er gestern anscheinend alles in seiner Macht stehende getan hat, um uns loszuwerden. Nach ca. 6 Kilometern Schotter-Drift-Piste stellen wir fest, dass wir womöglich unsere Schüsseln in Spiritsbay am Wasserhahn stehen gelassen haben.

Unsere Schüsseln – unser wichtigstes Hab & Gut.

>> 6 Kilometer zurück >> Schüsseln einsammeln >> auf in neue Abenteuer.

Dieser Tag wird gut – sehr gut sogar – große Abenteuer warten auf uns und machen die Opfer des Mückenkrieges nahezu vollständig vergessen.

Wir sehen uns im vierten Teil zum Northland hier im Land der langen, weißen Wolke – Aoteroa.

>>Stay continued<<

Northland – New Zealand 2

Northlandstory Two:

Bevor wir nun bis ans Ende der Welt – ehm Neuseelands – fahren, müssen wir unsere Vorräte noch ein wenig auffrischen. Obst, Gemüse, Haferflocken, Mandelmilch und Hummus gehören auf unsere „Routineliste“. Oh, und da fehlt doch noch etwas!? Ja, Schokolade ist auch wichtig, aber ich meine noch etwas, worauf wir tatsächlich mehr als auf alles andere angewiesen sind. Hmm. Ach stimmt ja. Wasser!! “ Und wo ist euer Wasser?“ Ehhm. Gute Frage. Als wir auf dem Weg nach Norden einen Toilettenstopp einlegen, kommt mir beim betätigen der Klospülung ein ganz mieser Gedanke.

Wir haben vergessen unsere Wasservorräte aufzufüllen. Super Idee! Die nächsten 300 Kilometer gibt es höchstens noch Meerwasser mit Algengeschmack und einer leicht salzigen Note im Abgang. Wir fahren also noch einmal nach Kaitaia und belasten die Stoßdämpfer von Mr Mato mit zusätzlichen 30kg Wasser nachdem wir eine halbe Stunde den Knopf am öffentlichen Wasserspender penetrierten. Aber was solls, ohne Wasser gibts Niemanden, der lange rollt. …okey sorry, der war schlecht. Ich sollte die Sache mit dem Reimen lieber lassen 🙂

Ehrlich gesagt hat mir meine Vorstellung ein ganz anderes Bild vom Northland präsentiert als jenes, was wir gerade zu Gesicht bekommen. Extrem viele Hügel, Wald, ab und an ein kleiner See, gute Straßen und nachwievor Menschen, die hier in diesem Zipfel leben. Tja, manchmal weichen unsere Vorstellungen, von denen wir glauben sie wären die Realität, sehr stark von der Wirklichkeit ab und täuschen uns. Allerdings liegt es an uns, ob wir diese Täuschung unseres Verstands als Enttäuschung oder einfach als neu gewonnenen Eindruck auffassen.

Wir machen einen kleinen Abstecher in ein Dorf namens „Te Hapua“, wo wir endlich wieder Schotterpiste fahren und eine fette Staubwolke hinter uns her ziehen können. Ich mag diese Abgeschiedenheit und rauen Straßen. Genau da fühlt sich Mr Mato wohl, denn die fliegenden Steine, sind wie eine Massage für seine zerbeulte Außenhaut. Ein Kratzer mehr oder weniger ist für unseren robusten Japaner nur ein kitzeln 😉 Das Örtchen Te Hapua ist an sich absolut unspektakulär – eher gruselig, weil wir plötzlich abseits aller Touristenpfade in einem alt eingesessenen Dorf gelandet sind, wo wir misstrauisch beäugt werden. Ich knipse ein paar Bilder und überprüfe die Funktionalität des öffentlichen Plumsklos. Testbericht: Mangelhaft (das Klopapier war leer…oh, und man konnte die Tür nicht verriegeln, weshalb man während seines Geschäfts akrobatische Meisterleistungen vollbringen muss um sowohl die richtige Öffnung zu treffen, als auch gleichzeitig die Tür zu blockieren. Ich habe jetzt noch Muskelkater vom „wütenden Flamimgo“ – so habe ich meine Yoga-Figur getauft, die ich dabei machen musste.)

„Boarding completed…“ sage ich zu Helena, während ich mir die Nase zu halte und die Durchsagen aus einem Flugzeug imitiere. „Ladies and Gentleman, please fasten your seatbelt and halten sie eine Plastiktüte bereit. In wenigen Augenblicken sind wir bereit Te Hapua zu verlassen. Unsere Reisegeschwindigkeit wird circa 60km/h betragen und durch die Schotterstraßen kann es zeitweise zu starken Turbolenzen kommen. Deshalb bitten wir Sie, bei Übelleit rechtzeitig den Steuermann zu informieren.“ Üblicherweise schleichen wir alle Schotterpisten mit 10-20km/h entlang. Doch hier, heute ist alles anders, denn die Straßen sind unfassbar breit, super einzusehen und das Gefühl für Mr. Mato ist nach knapp 5000 Kilometern mittlerweile deutlich angestiegen. Wir fahren nicht nur durch die Pampa, wir driften regelrecht. Die Dicke Schotterschicht unter den Reifen von Mr Mato lässt unere Hinterachse in den Kurven immer wieder ausbrechen, was ersteinmal ein wenig Angst macht. Ziemlich schnell bekomme ich aber ein Gefühl dafür und es fängt an, richtig Spaß zu machen – sein Auto kennen zu lernen.

Wir fahren nach „der Ort, der bei Google Maps nicht existiert“ und müssen dann enttäuscht feststellen, dass das letze Stück zum „Ort, der bei Google Maps nicht existiert“ privater Grund ist und angeblich Video überwacht wird. Na gut, dann driften wir halt die 25 Kilometer „Gravel Road“ wieder zurück…

…oder auch nicht. Wir stellen fest, dass wir auch in die andere Richtung weiterfahren und dort die Nacht auf einem DOC-Platz verbringen können. Das DOC – „Department of Conservation“ managed über 200 Campingplätze und unzählige Hütten auf der Nord-und Südinsel. Manche kosten Geld und Manche nicht. Einige sind nur per Kayak oder Kanu erreichbar und andere erfordern Allradfahrzeuge und eine ganze Menge Feingefühl am Steuer, um zu ihnen zu gelangen. Das DOC verwaltet die Nationalparks Neuseelands und sorgt für ihren Schutz … und, dass das Klopapier in den Plummsklos nicht ausgeht 😉 Gleichzeitig hat das DOC aber auch die Aufgabe, dass die Menschen Zugang zu den schönsten Orten des Landes haben.

Die Sache mit dem Allradfahrzeug nehmen wir manchmal nicht ganz so ernst, was uns schon so einiges an – ich nenne es jetzt mal – „Abenteuern“ beschert hat. Aber dazu ein anders Mal mehr.

Als wir auf dem DOC-Platz ankommen, stellen wir fest, dass wir gar kein Kleingeld (Münzen) haben. Allerdings müssen wir 26$ für die Nacht bezahlen, was ohne Münzen ziemlich schwer ist. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: In einer Wasserdichten Box liegen Formulare, die wie Umschläge aufgebaut sind. In den Umschlag packt man das Geld, klebt ihn zu und gibt an der Rückseite noch Name, Land und Kennzeichen sowie „Check in und Check Out“ an. Dann füllt man noch so eine Art „Ticket“ mit denselben Daten aus und hängt das irgendwo ans Auto. Der Umschlag kommt in eine sogenannte „Honesty Box“, die der Ranger jeden Tag (angeblich) leert. Da wir keine Münzen haben, packen wir nur 25$ in den Umschlag und schreiben „Sorry we ran out of coins.“ auf die Rückseite des Umschlags und malen noch einen großen, traurigen und bemittleidendswerten Smiley daneben.

Der Platz trägt den Namen „Spirits Bay“ obwohl er wohl eher Namen wie „Spritzen-Bay“, “ Vampir-Bay“ oder „Schmerzfreie Blutspende-Bay“ verdient hätte. Warum, erfahrt ihr im nächsten Blog. Außerdem könnt ihr dann lesen, wie aus dem kleinen Träumchen in schönster Natur ein großer Albtraum in (trotzdem) schöner Natur geworden ist.

See you!

Ich habe heute leider kein Bild für dich. :/ – wir sind leider zu selten in einer Bibliothek um Kamerabilder zu bearbeiten…Sobald ich wieder Bilder habe, werde ich einen eigenen Blogbeitrag mit ihnen veröffentlichen 😉 Praktisch ein Bilderbuch ^^

Northland – New Zealand 1

Northlandstories One:

Die monotone Arbeit macht uns wahnsinnig, sie unterfordert uns geistig und lässt das innere Geblapper immer lauter werden. Ganz spontan ändern wir mal wieder unsere Pläne und entscheiden uns, morgen den letzten Tag arbeiten zu gehen.

Unser letzter Arbeitstag macht sogar richtig Spaß und endet – bedingt durch Starkregen – auch unerwartet früh gegen 12:00. Zur Feier des Tages schauen wir uns noch den Mount Manganui in Tauranga an und gönnen uns einen Kebab mit Falafel und Hummus. Der Start in eine neue Phase hat begonnen 🙂

Der Abscheid von unserem Lieblingsplatz fällt uns dann doch etwas schwer, obwohl es sich jediglich um ein Klo am Meer mit Parkplatz handelt. Komisch, aber aus irgendeinem Grund baut man dann doch relativ schnell eine Verbindung zu einem Ort auf – er war ja schließlich für knapp 8 Wochen unsere gewohnte Umgebung – unser Grundstück.

Unser Weg bis an die nördlichste Spitze Neuseelands führt uns durch vielen kleine und große Abenteuer. Unser erster Stopp ist eine alte Goldmine mit dem Namen „Karangahake Gorge“. Hängebrücken führen durch die Täler, wo einst jeden Tag hunderte Menschen Gold abgebaut und Tunnel in die Felsen geschlagen haben. Einige dieser Tunnel konnten wir – mit Taschenlampen bewaffnet – erkunden und waren überrascht, dass das ganze Gelände öffentlich zugänglich war. Keine Lampen, kein Eintritt, keine Betonklötze oder Absperrungen – nur alte Warnschilder, Hängebrücken und Tunnel, die teilweise erstaunlich tief in den Berg hinein reichen. Manche hatten einen Wasserschaden und bei anderen konnte man den verbliebenen Schienen für die Loren bis in vollständige Finsterniss folgen.

Neben Wasserfällen und großen Kauriwäldern, durch die wir uns schlagen mussten, standen wir bereits am dritten Tag nach unserem abrupten Aufbruch vor einer unerwarteten Herausforderung. Zufällig landen wir in einem Ort namens „Piha“, an der Westküste nördlich von Auckland. Wir parken Mr Mato an einem Lookout und können von oben auf die lange Küste und den – mehr oder weniger – berühmten „Lions Rock“ blicken. Allerdings gibt es da eine Sache, die uns ein wenig beunruhigt. Die Tanknadel von Mr Mato steht praktisch auf E. „E“ wie empty – leer. Mich verwirrt das ganz schön, weil wir mit dieser Tankfülling erst knappe 300 Kilometer gefahren sind. Und ein Diesel, der nicht mal 400 Kilometer schafft? Gibts sowas überhaupt? Meine Recherche nach dem Fassungvermögen des Dieseltanks von Mr Mato führt ins Leere. Nirgendwo kann ich in den technischen Daten finden, wie viel Liter Diesel in unser Auto passen.

So hätten wir mit unserem Durchschnittsverbrauch ganz einfach ausrechnen können, ob wir jetzt da runter in die Bucht fahren können und morgen auch ohne Abschleppwagen wieder zur nächsten Tankstelle kommen. Tja, letzendlich fahren wir auf gut Glück, aber mit einem mulmigen Gefühl, in das Tal hinunter und erleben einen bombastischen Sonnenuntergang. Am nächsten morgen klettern wir bis ganz an die Spitze des Lions Rock. Die wurde vor ein paar Jahren für Touristen gespperrt, was wohl auch gerechtfertigt ist, wenn man sich den „Weg“ anschaut. Der kleine Nervenkitzel zahlt sich aber aufjedenfall aus! Als Belohnung für die Kletterpartie dürfen wir uns über freie Sicht auf die gesamte Bucht von Piha mit der Steilküste, dem traumhaften Strand und den vielen kleinen Hütten, die direkt in den Urwald in den Hang gebaut wurden, freuen. Danach heißt es aber: Tankstelle finden!

Wenige Tage später stecken wir in einer ähnlichen Situation. Von Port Albert – einem wundervollen kleinen Stellplatz am Rande eines Meerausläufers – wollten wir weiter Richtung Norden fahren. Ein kleines Örtchen „Opononi“ sollte noch als Zwischenstation dienen, bis wir in die letzte größere Stadt Neuseeland aufbrechen.

Wir legen einen Zwischenstopp bei den sogenannten „Kai Iwi Lakes“ ein und lassen uns von dem tiefblauen Wasser der Seen verzaubern. Wow, dieser Ort ist einfach nur traumhaft! Die drei Seen – ein großer und zwei kleinere – sind von dichtem Nadelwald umgeben, der einen harten, aber magischen Kontrast zu den Sandstränden und „Steilküsten“ an den Seeufern, darstellt. Am liebsten würden wir hier bleiben und die sommerlichen Temperaturen in diesem kleinen Paradies genießen. Allerdings haben wir ja so etwas wie einen Zeitplan…dem wir zwei Tage vorraus sind…aber pssst das muss ja Keiner wissen.

Nach einer weiteren langen Fahrt über endlose Hügellandschaften taucht vor uns plötzlich eine riesiege Sanddüne auf. Wow, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Fasziniert fahren wir durch Opononi und suchen nach einem Platz für die Nacht … allerdings ohne Erfolg. Weit und breit finden wir keinen Platz, wo wir stehen dürfen. Auch, wenn wir heute schon fast 5 Stunden im Auto saßen – uns bleibt wohl nichts anderes übrig als noch weitere zwei Stunden Richtung Awanui zu fahren, wo wir legal stehen dürfen.

Die Straßen winden sich und führen rauf und runter, und wieder eine enge Kurve. Zwischendrin türmen sich uralte Kauribäume auf und urige Brücken bringen uns sicher über Flüsse und Sumpfland. Doch zu unserem bedauern können wir diese tolle Landschaft – den Urwald – nicht so recht genießen, denn die Tanknadel kratzt schon wieder am unteren Ende der Anzeige. Mit Ach und Krach erreichen wir spätabends erleichtert Kaitaia, wo wir Mr Mato wieder auftanken können.

So sahen die ersten Tage im schmalen Northland Neuseelands aus. Aus den geplanten sechs Nächten bis Awanui sind letzendlich nur drei geworden. Ihr wisst ja – das mit dem Planen ist so eine Sache.

„Victoria Battery“ – ein Überbleibsel aus der Goldgewinnung.-
-Ein überbelichtetes Bild von der Miene „Karangahake Gorge“. –
– Te Piha mit atemberaubenden Sonnenuntergang-
– Dulli auf „The Lions Rock“-
– The Lions Rock von der Seite. Erkennt ihr den Löwen? –
„Opononi“. Und plötzlich taucht da so eine fette Düne hinterm Berg auf. –

Work in New Zeland!

Hey Ihr,

ich hoffe es geht euch gut! Heute will ich euch einfach mal ins Jetzt holen damit ihr „up to date“ seid. Also viel Spaß 🙂

Auf Instagram und Facebook habe ich eine Story angekündigt, die wir hier vor wenigen Tagen erlebt haben und ich unbedingt mit euch teilen möchte!

Samstag, 19:00: Wir sind gerade mit dem Essen fertig geworden und wollen spülen – es gab unseren köstlichen „Dosenwahnsinn“. So haben wir ein sehr nahrhaftes, aber schnelles Gericht aus Bohnen, Kokosmilch und Nudeln getauft. Ich kippe ein paar Tropfen – meistens zu viel – Spülmittel in die Schüssel und will gerade Wasser holen, als ein blau-silberner Nissan auf den Parkplatz rollt. Auf dem Beifahrersitz tront ein Hund, größer als ich. Der Fahrer – wir nennen ihn „The Terminator“ – steigt mit Sonnenbrille, Lederjacke und einer blauen Schüssel unter dem Arm aus dem Auto aus. Der weiße Killerhund folgt ihm und schlendert über den Platz. Da wir in letzter Zeit ein paar unanhenehme Begegnungen mit freilaufenden Hunden – vor allem großen – hatten, setzten wir uns hinten auf das Bett von Mr Mato, der keine 10 Meter von dem Typ entfernt geparkt steht. Wir beginnen die Situation zu beobachten und stellen fest, dass der Kerl ein gewaltiges Problem hat. Frustriert läuft er wild umher und kickt dabei den gemähten Rasen, Stöcke und Steine durch die Gegend. Ein Bier nach dem Anderen verschwindet in seinem Schlund. Als er den Weg zurück zum Auto gefunden hat, beginnt er Scheine auf der Motorhaube zu zählen. Er flucht und schimpft – schaut panisch umher. Kurz darauf kommt ein schwarzer Volvo mit quietschenden Reifen neben „The Terminator“ zum stehen. Ein Mann, ebenfalls Lederjacke und Stahlkappenstiefel, steigt aus dem Fahrzeug und pinkelt erstmal vollkommen unerschrocken an den nächsten Mülleimer. (Das Klo befindet sich wohlgemerkt nur 1 Meter vor ihm!) Er scheint nicht minder frustireirt als der andere. Sie fangen an lautstark zu diskutieren – zu schimpfen. Sie machen einen aggressiven Eindruck. Immer wieder fallen die Worte „I want a fucking streetfight!!“ Uns wird die ganze Situation irgendwie ein bisschen viel. In meinem Kopf schmieden sich die ersten Evakuierungspläne. Das Problem: Unser dreckiges Geschirr steht noch draußen, unsere Stühle auch und man kommt von hinten nicht ins Fahrerhaus. Die beiden Typen gehen eine kleine Runde und Helena verstaut vorsichtig alle Sachen im Auto, während ich Schmiere „schaue“. Sie kommen zurück und der Killerhund auch – scheiße. Wir hocken beide wieder im Auto und beobachten, wie die Situation immer mehr zu eskalieren droht. Wir wollen einfach nur noch weg hier. Dummerweise befindet sich unsere Schiebetür auf der falschen Seite und macht auch ziemlich laut. Ich nutze die Gunst der Sekunde, als leichter Regen die beiden Typen in ihre Fahrzeuge treibt, klettere durch unser 40×40cm großes Schiebefenster, öffne geduckt und lautlos die Fahrertür und glühe den Motor drei mal vor – immer in Deckung von Mr Mato. 1…2…3. Ich springe ins Auto, Gang rein, Kupplung treten, Motor an, Handbremse los und Vollgas! Helena sitzt hinten mit dem dreckigen Geschirr auf dem Schoss und wird ordentlicher durch-geschüttelt. Links und rechts sind noch die Fenster offen. Es regnet ins Auto. Mist! Ich biege in eine dunkle Ecke ein und wir stellen erstmal normale Fahrtbedingungen her. Puhhh – die Flucht ist geglückt!

Diese kleine Story erstmal am Rande. Wir sind ziemlich erschrocken auf dem neuen Stellplatz angekommen und haben uns erstmal extra viel von unserer alltäglichen Belohnungsschokolade gegönnt. Jetzt hole ich euch aber erstmal in das hier und jetzt, denn seit dem letzten Blogbeitrag sind unfassbar viele Tage vergangen.

Der Grund für meine lange Abwesenheit hier ist eigentlich ziemlich einfach. Wir arbeiten seit ca. 7 Wochen von 7:00 bis (meistens) 17:30 auf den verschiedensten Kiwifarmen. Frühs klingelt der Wecker um 4:50 und abends klingelt nur noch der Schädel. Nun ja, dafür verdienen wir an einem Tag ohne Regen oder sonstigen Unterbrechungen etwa 160$, was umgerechnet etwas 85€ sind. Das ist im Grunde ganz gut, allerdings mussten wir bisher fast eine ganze Woche aussetzen, weil zu viele Bienen auf den Feldern unterwegs waren. Und an manchen Tagen hat uns auch der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir hoffen aber, dass wir unser finanzielles Ziel von insgesamt ca. 4-5000$ trotzdem noch erreichen.

Wie und was wir so auf den Feldern machen, will ich euch später mal erzählen, denn aktuell sitzen wir in einer Library und warten darauf, dass mein Ersatzhandy genug Strom hat, um es einzurichten. (Mein altes Handy gibt leider langsam den Geist auf ;(

An sich ist die Arbeit zwar echt nicht schwer, aber super langweilig, was sie doch auf gewisse Art und Weise schwer macht. Diese Langeweile zu ertragen ist nichts für schwache Nerven, denn 10 Stunden völlige Leere führt irgendwann zu einer Art Gedankenwahnsinn in der Denkzentrale. Zum Glück dürfen wir Musik hören, was allerdings dazu führt, dass ich meine Musikplaylist jetzt schon ungefähr 30 Mal komplett durchgehört habe. Dafür habe ich jetzt endlich mal Podcasts für mich entdeckt! Das ist echt super, weil ich da parallel zum Geld verdinenen sogar noch eine ganze Menge lernen kann. Deshalb ist der Job gar nicht so schlimm, denn es gibt eine ganze Menge Podcast von coolen Leuten nachzuholen. Kleines Beispiel gefällig?

In den letzten sieben Wochen habe ich ca. 200 „Bewohnerfrei-Podcasts“ von Tobias Beck angehört. Ich weiß nicht, wie er es schafft, aber sie werden nie langweilig!! Wenn ich könnte, würde ich mich höchstpersönlich bei ihm bedanken gehen, dafür, dass er mir jeden einzelnen Farmtag „versüßt“ hat 😉 Danke.

So viel erstmal dazu. Ich werde unten eine kleine Bildergalerie anhängen, damit ihr ein paar Eindrücke in Bildern bekommt 🙂

„Unser erster Wasserfall – Bridal Veel Falls“
„Hot water beach südlich von Auckland – vereinzelt ist der Sand super heiß unter den Füßen und wenn man ein wenig buddelt, kann man in 38°C+ heißem Wasser baden.“
„Sonnenuntergang bei Mangakino auf dem Weg zum berühmten Lake Taupo.“
„Mr. Mato im Schein der goldenen Stunde – unser Lieblingsstellplatz während der Arbeit.“
„Huka Falls bei Lake Taupo – beeindruckende Wassermassen!“

Das wars für heute und ich wünsche euch eine tolle Weihnachtszeit!! Ciao!

We’re on the road again!

Oh Leute, es ist so viel passiert und ich komme erst jetzt wieder zum Schreiben.

Ich bin mittlerweile schon fast 6 Wochen in Neuseeland – kaum zu glauben. So, wir haben aber so einiges nachzuholen!

Nachdem wir die Suche nach einem Dosenöffner aufgegeben haben, suchten wir uns einen netten Stellplatz für die Nacht. Nun gibt es da ja diverse Apps für das Handy, die einem Stellplätze und jede Menge anderen Kram anzeigen können. Die Bekannteste ist wohl „CamperMate“. An sich sind die Inhalte sehr cool – vor allem kann man nicht nur nach Stellplätzen suchen, sondern auch nach Tankstellen, Entsorgungsstationen, Trinkwasserstellen und vieles mehr – so zusagen ein erweitertes Google Maps nur ohne Routenplaner. Einen Haken hat Campermate dann aber doch: Viele Plätze – besonders die schönen – sind meistens völlig überfüllt. Aus diesem Grund nutzen wir noch eine andere App, deren Name mir gerade nicht einfällt. Da wir schon ziemlich lang unterwegs sind heute, wählen wir einfach den nächstbesten auf der Karte, ohne uns große Gedanken zu machen.

Doch, dass wir dabei direkt einen ganz „dicken Fisch“ an der Angel hatten, konnten wir bis dahin noch nicht ahnen. Als wir eine gefühlte Ewigkeit durch die Pampa gefahren sind, wurde uns langsam bewusst, dass wir nicht gerade mitten in einer Großstadt landen würden. Wir staunten nicht schlecht, als wir an dem Spot ankamen: Die letzten Meter führen über eine Schotterstraße, die auf einem Tennisplatz-großen, sandigen Platz endet. Links, keine 20 Meter entfernt stehen Kühe, die sich am saftigen Gras eines Steilhangs bedienen. Rechts bahnt sich ein kleiner Fluss den Weg ins Landesinnere und dahinter große Felsen. Vor uns liegt das Meer – Wasser so weit das Auge reicht. Nur ein abgestorbener Baum, der wie eine Brücke im Wasser liegt, erhebt Anspruch auf Aufmerksamkeit. Wir parken Mr Mato direkt am Strand, schnappen uns die Kamera und gehen auf Entdeckungstour. Bevor wir dem Strand folgen können, müssen wir noch einen Weg über den Fluss, der seinen Ursprung im Ozean nimmt, finden. Leichter gesagt als getan. „Trocken kommen wir da nicht rüber.“ Aber wer sagt eigentlich, dass wir trocken ankommen müssen?

Schuhe aus und das erste Salzwasser genießen! Auf der anderen Seite angekommen, staune ich nicht schlecht, als ich auf einmal eine Drohne am Himmel sehe – eine Inspire 1 von DJI. Okey – zugegeben – damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Ein paar Schritte weiter, rückt dann schließlich der Pilot, der gerade an seinem roten Dodge Ram herumwerkelt, in unser Blickfeld. Hmm, das erinnert mich ja irgendwie an eine ganz bestimmte Person 😉

„Wenn man schonmal so ein Auto hat, kann man auch durch Flüsse fahren :)“

Wir schlendern ein wenig den Strand entlang und genießen einen wundervollen Sonnenuntergang! Die Kombination aus Meer und den beeindruckenden Steilküsten ist gigantisch! Über eine Stunde verbringen wir mit fotografieren und genießen. Leider hat mein Laptop die ungünstige Angewohnheit Farben, Dynamikumfang, Helligkeiten und so weiter von Programm zu Programm unterschiedlich darzustellen, weshalb viele Bilder unter der Bearbeitung gelitten haben 😦 Hier aber trotzdem ein paar Eindrücke von der Location und dem Sonnenuntergang!

Beim Abendessen mussten wir feststellen, dass es ziemlich schwer ist, Wasser zum kochen zu bringen, wenn das Gas leer ist. Es war ein ziemlicher Kampf die Carbonara zuzubereiten, aber letztendlich haben wir es geschafft!

Trotz der klirrenden Kälte am nächsten Morgen, wollten wir die Gelegenheit – eine Dusche mitten im Nirgendwo – nutzen und unseren Körpern eine reinigende Dusche gönnen. Schei*e war das kalt!!! Vor allem der Wind hat einen Eisblock aus uns gemacht!

Da es jetzt ziemlich irrsinnig wäre jeden einzelnen Spot in derselben Ausführlichkeit zu beschreiben, möchte ich mich auf die wesentlichen Eindrücke beschränken und euch Infos zur aktuellen Situation geben.

(By the way: Die Suche nach neuem Gas hat so ziemlich einen ganzen Tag in Anspruch genommen 😅.)

In den nächsten zwei Wochen sind wir mal nach Süden, dann nach Osten, nach Norden und auch mal wieder nach Westen gefahren – ohne Ziel. Wir wollten Mr Mato und Neuseeland kennenlernen und nicht nur die ganz großen Tourispots der Reihe nach abklappern und standen deshalb schon an den verschiedensten Orten. Mal einsam, mal in einer Gruppe. Mal beeindruckend und mal weniger beeindruckend, aber jeder Platz hat seine eigene Geschichte. Auf den knapp 1500 Kilometern, die wir bis jetzt gefahren sind, haben wir schon die unterschiedlichsten Landschaften, Menschen und Tiere gesehen und Hunger auf mehr bekommen!

Meine Energiereserven (Strom) gehen leider schon wieder zur Neige. Deshalb beende ich den Blogpost an dieser Stelle, damit ihr mal wieder ein Lebenszeichen von mir habt 😉

Let’s get started – Roadtrip through New Zealand!

Startkommando Nummer zwei:

Wir hatten uns vorgenommen Auckland spätestens gegen 16:00 zu verlassen und unseren ersten Stellplatz zu finden. Es ist ca. 13:30 als wir vom Mittagessen kommen und unesere Sachen packen – die müssen ja schließlich auch mit in den Van. Wir schreiben Louise zum Abschied noch ein paar Zeilen und bedanken uns für die nette Gastfreundschaft und die lustigen Gespräche mit ihr und ihrem Freund. Aber jetzt heißt es: Abschied von der ersten Etappe dieses Abenteuers nehmen und hoffen, dass wir nichts im AirBnB liegen gelassen haben.

Da unser Zeitplan keine großen Pausen zulässt, schmeißen wir einfach erstmal alles in den Van – die Ordnung kommt dann später von selbst…vielleicht…irgendwann…

Geputzt ist der Van zwar schonmal, aber mehr als eine „Küche“ und Matratzen gibt die Inneneinrichtung noch nicht her. Da schlafen ohne Decke und Kochen ohne Töpfe, Pfannen oder Messer nicht wirklich möglich ist, sieht unser Plan vor, bis 16:00 genau jene zu besorgen. – Ach so: Einen Wocheneinkauf machen müssen wir bis dahin auch noch, sonst müssen wir hungern.

Es ist 14:00 als wir die Mountain Road verlassen und die ersten Einrichtungsmärkte ansteuern – wir bleiben optimistisch.

Zunächst landen wir irgendwie nur in diversen Luxusläden und fühlen uns dort als „arme Backpacker“ ein wenig fehl am Platze. Durch ein bisschen Glück werden wir dann doch in einem dieser Läden fündig. Unsere Beute: Zwei Kissen für jeweils 4$…was für ein Schnäppchen. Ich frage mich zwar, wie man für umgerechnet ca. 2,10€ ein wirklich brauchbares Kissen produzieren kann, aber für uns war das ein wahrer Glücksgriff (die Kissen waren im Ausverkauf und um 60% reduziert oder so.).

Nächste Station: „KMart“ und „The Warehouse“. Beide sind hier bekannt für ihre rießige Auswahl an Allem. Und wenn ich Alles meine, dann heißt das auch Alles. Von Hundefutter, über Fernseher, Schokolade, Bücher, CDs, Klamotten, Schuhe bis hin zu Decken und sämtlichen Küchenutensilien, Grills und so weiter, bekommt man vor allem bei The Warehouse absolut alles – und das zu teils sehr günstigen Preisen! Wir verschaffen uns einen kurzen Überblick und beginnen alles mögliche miteinander zu vergleichen. Zum Glück haben wir uns im vorhinein eine Liste gemacht, was wir alles brauchen – schließlich sind wir gerade dabei eine ganze Wohnung einzurichten 😉

Dafür, dass der Van absolut uneingerichtet war, können wir mit insgesamt ca. 250$ Ausgaben für die gesamte Inneneinrichtungen eines nun mehr oder weniger vollwertigen Heimes, ganz zufrieden sein. Für umgerechnet 143€ haben wir eine Decke (Queensize), passende Bezüge, Laken, zwei Töpfe (unbeschichtet…das war uns wichtig), Suppenschüsseln, Teller, Schneidebretter, Besteck, Tassen, scharfes Messer, biologisch Abbaubares Spülmittel, eine große Salatschale (…, die wir im Moment eher als „Spülschale“ verwenden), Geschirrtücher, Schwämme, Klopapier, Eimer, Mülleimer, Campingstühle, ein Sieb, Trichter und Pfannenwender, eine Schöpfkelle und jede Menge Kleinkram organisiert.

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, ob die Liste vollständig ist, aber wir waren ziemlich überfordert mit dem vielen Kram und hatten absolut keine Ahnung wo und wie wir das Ganze auf 3 m² verstauen sollen. Fröhlich nach der Devise „erstmal rin in die Karre“, schaffen wir es gleich am ersten Tag unseren frisch geputzten Van von unten nach oben zu zumüllen…mit sinnvollem Müll, versteht sich :o))

Es ist 16:22 als wir den Parkplatz von KMart verlassen. Ich glaube unser Abfahrtsplan versigt so eben in der Dunkelheit.

Trotz unserer Verspätung lassen wir uns im Pak’n’Safe bei unserem Wocheneinkauf nicht stressen. Wir schlendern durch die Regale und nehmen „alles“ mit, von dem wir glauben, wir könnten es im Van gut lagern und brauchen. Ich glaube, es war 18:40 als wir im Van alles mehr schlecht als recht verstaut haben und uns auf der Autobahn Richtung Süden befanden: Einen Plan hatten wir nicht – nur einen Drang: Raus aus Auckland, raus aus dem Getummel und rein in eine – für uns völlig fremde Art des Lebens: Minimalismus.

In ein Leben, in dem wir leere Klopapierrollen aufschneiden und Stadt, Land, Fluss darauf spielen. Ein Leben, in dem wir leere Cornflakestüten als Mülltüten verwenden oder aus den Läden aufgerissene Plastikfolien von Kissen mitgehen lassen, um sie ebenfalls zu Mülltüten umfunktionieren. Ein Leben, in dem wir dreckige Kleidung in Toastfolien lagern um nicht das ganze Auto vollzumiefen. Ein Leben, wo das Handy eben aus ist und aus bleibt, wenn der Strom alle ist. Und ein Leben im Jetzt. Die einzigen Worte und Gedanken, die wir an die Zukunft verschwenden, drehen sich um das heutige Abendessen. Ist Das Freiheit? Ich weiß es nicht, aber die nächsten Wochen und Monate werden es uns lehren. Unfreiheit ist es nicht, denn die größte Determination sind Pläne, Termine und all der Kram, der eigentlich nur einen Zweck hat: Funktionieren – nicht Leben. Das verwechseln wir oft. Wir glauben so an das System, dass wir Funktionieren mit Leben gleichsetzten.

Die Decke und Bezüge noch in Plastikfolien verpackt fahren wir der Dunkelheit entgegen. Erleichtert davon, dass wir (vorerst) alles bekommen haben, was wir brauchen und überfordert von dem vielen Krims Krams hinten „auf unserem Bett“ und in der Küche, biegen wir bei Dämmerung auf einen Parkplatz ab. Vor uns spielen ein paar Jugendliche Tennis auf weitläufigen Plätzen. Hinter uns ein Spielplatz, wo gerade eine Pizza verspeißt wird. Es ist schon dunkel als ich dem Motor ausstelle und die Handbremse anziehe…nachdem ich es erst vergessen und mich gewundert hatte, warum sich die Umgebung aufeinmal bewegt. Jetzt heißt ee erstmal „Ordnung schaffen“ – zumindest so gut wie möglich. Tja, das ist ein ziemlich dehnbarer Begriff, denn neben Bett und Decke beziehen, müssen wir noch für jeden der rund 20-30 Gegenstände einen geeigneten Platz in Auto finden. Zudem haben wir seit einer gefühlten Ewigkeit nichts mehr gegessen und hatten dementsprechend großen Hunger. Ich habe keine Ahnung, wie oft wir den großen Topf hin und her geräumt haben, damit er während der Fahrt nicht klappert und womöglich kaputt geht…am Ende hat er einfach irgendwo zwischen Toast, Wagenheber und Schlafsack seinen Platz gefunden.

Habt ihr schonmal bei völliger Dunkelheit zum ersten Mal in eurem Leben einen Gasherd benutzt (oder versucht zu benutzen) und Couscous mit Gemüse darin gekocht? Das war eine ziemlich mühsame Angelegenheit, aber ich war heilfroh, dass die Laterne, dir mir der Abteilungsleiter vom Edeka zum Abschied mitgegeben hatte, doch noch einen Platz im Handgepäck gefunden hat. Dafür war das Essen nach so einem Tag umso besser! Nach dem Geschirrspülen bereiteten wir uns auf die erste Nacht in Mr Mato vor – eigentlich nichts sooo besonderes, denn die Bettgröße ist auch nicht viel anders, als zu Hause…nur ein bisschen kürzer vielleicht. Da wir beide aber nicht allzu groß sind, ist unser Bett vollkommen ausreichend. Für Menschen über 1,80 wird es allerdings ein bisschen eng. Tja, klein sein hat halt doch so seine Vorteile 🙂

„Eine viel zu niedrige Wäscheleine nach der ersten Nacht.“

Folgende Dinge wurden uns nach der ersten Nacht klar:

– Die Nacht war kalt, sehr kalt.

– Dosen öffnen ohne Dosenöffner ist nicht ganz so einfach.

– Kochen im Dunkeln ist relativ uncool.

Da wir in der Nacht wirklich ziemlich stark gefroren haben, hatte die Suche nach einer zweiten Decke oberste Priorität! Das Abendessen vom Vortag haben wir im Topf gelassen und hinten unters Auto gestellt. Den Rest haben wir zum Mittagessen einfach wieder aufgewärmt. Das war übrigens auch das erste und einzige warme Mittagessen bisher – was für ein Luxus.

In der nächstenbesten „Stadt“ konnten wir dir Mission „Bettdecke“ relativ schnell erledigen. Außerdem haben eine Lichterkette in einem Ramschladen gefunden, die uns hoffentlich nicht mehr im dunkeln sitzen lässt. Die Suche nach einem Dosenöffner gestaltete sich allerdings nicht so einfach. Ein Laden nach dem anderen hatte nur super teure High Tech-Öffner für 20$ oder so. Da der Tag schon recht fortgeschritten war, haben wir die Suche schon fast aufgegeben und steuerten noch einen letzten Markt für heute an. „Farmer“ – so heißt hier eine Kette, die man bei uns wohl eher als“Galeria Kaufhof“ kennen würde. Der Weg dahin war ziemlich speziell, denn die Neuseeländer lieben Kreisverkehre. Die kann ich in Deutschland schon nicht leiden, aber hier sind die sozusagen an jeder Kreuzung, ja fast schon an jeder Kurve! Als Deutscher schaut man aus Gewohnheit ersmtal nach links. Cool – da kommt nicht, also Vollgas! Ja, wie auch…wenn man rechts im Kreisel herumfährt, kann auch nichts von links kommen. Das gehupe war ziemlich ohrenbetäubend und vielfältig – ich hassr Kreisel. Auf dem Parkplatz kam dann ein netter Typ zu mir, der die Situation beobachtet hat und meinte, dass er meine Situation als eingewanderter Schweizer nur all zu gut kenne. Ich dachte schon schlimmes, als er auf uns zu kam. Aber er war nett – so wie alle hier (fast).

Im Farmer haben wir zwar keinen Dosenöffner gefunden, aber eine super coole Pfanne – eigentlich eher einen Wok, der 60% reduziert war. Stolz auf unser Schnäppchen machten wir uns auf den Rückweg zu Mr Mato, der uns schon sehnsüchtig erwartete und es kaum erwarten konnte mich im nächsten Kreisverkehr wieder auszulachen.

Nun sind wir „on the road“ und lernen unseren Van erstmal kennen bevor wir uns Arbeit suchen. Wie lange? Keine Ahnung. Wohin? Keine Ahnung. Es erscheint uns überflüssig die Zukunft über das Abendessen hinaus zu planen. An was für einem spektakulären Platz wir unsere zweite Nacht verbringen erfahrt ihr im nächsten Blog! Bye Bye, bis später!

How we bought our Van in New Zealand.

Mittwoch, 2. Oktober: Heute ist unser letzter ganzer Tag im AirBnB – das heißt also auch: Wenn wir unseren Van heute nicht abholen können, sitzen wir ab morgen auf der Straße. David, der Verkäufer steht vermutlich überlicherweise nicht vor um 11 auf, weil wir bis dahin nichts von ihm hören. Das war gestern schon genauso. Wir werden langsam unruhig – vorallem Ich, weil um 14:00 noch ein Banktermin bei der ANZ auf mich wartet um meine Kontoeröffnung abzuschließen und meine Karte entgegen zunehmen. Da ich zuvor schon alles online beantragt hatte, sollte das ganze nicht länger als 10 Minuten in Anspruch nehmen – dachte ich. Aufgeregt bin ich trotzdem, weil ich nicht weiß, ob sie meinen Adressnachweiß vom AirBnB akzeptieren.

Pünkltich gegen 13:00 verlassen wir die Mountain Road und machen uns auf zum Sylvia Park, wo ich meinen Termin habe. David hat sich immer noch nicht gemeldet. Wir laufen seit 3 Tagen mit knappen 6000$ in der Tasche durch die Gegend und hoffen, es endlich gegen ein Auto eintauschen zu können – schon komisch.

„Die Automaten haben hier anscheinend nur 20iger und 50iger Scheine…das war ein Bündel, sag ich euch :o))“

Der Termin bei der Bank war die reinste Katastrophe…anstatt 10 Minuten, saß ich schlappe 60 Minuten mit einer Frau an einem Tisch, die mir weiß machen wollte, dass die Bank anfang der Woche ihre Bestimmungen geändert hat und nun keine temporären Wohnsitze mehr akzeptiert. Erst nachdem ich weiter nachgehagt habe und fragte, ob es für Backpacker ab jetzt vollkommen unmöglich sei, bei der ANZ ein Konto zu eröffnen, gab sie sich ein bisschen mehr Mühe, um mit mir doch noch eine Lösung zu finden. Im Endeffekt musste ich jetzt meine deutsche, permanente Wohnadresse angeben. Ob das jetzt mit dem traurigen Gesicht zusammenhängt, was ich gemacht habe, kann ich nicht sagen – ich muss schon ziemlich verzweifelt gewirkt haben xD Naja jetzt habe ich, wenn auch über Umwege, ein funktionierendes Bankkonto. Eine Bestätigung dafür, die ich eigentlich für die Beantragung der IRD (NZ Steuernummer) brauche, wollte und konnte Sie mir aber nicht geben…tja, das wird noch spannend.

Während ich da nun am Schreibtisch mit Mrs Wara sitze und ich mit meinen vor Aufregung und Verzweiflung schwitzenden Fingern versuche mein Handy zu entsperren, um der netten Dame einen Kontoauszug meines DKB-Kontos weiter zu leiten, taucht endlich die erlösende Nachricht von David am oberen Bildschirmrand auf: Wir können unseren Van heute abholen!! Der Tag ist gerettet 😉

Nach meinem Termin steigen wir gleich am Sylvia Park in den Zug Richtung Glen Eden – der Stadtteil, wo der Hänlder sitzt. Wir fahren ca. 45 Minuten mit dem Zug und werden von Minute zu Minute aufgeregter. Am Ende macht uns selbst der strömende Regen nichts aus, der uns bei der Ankunft in Glen Eden erwartet. Völlig durchnässt kommen wir bei „Pars Carshop“ an und stehen erstmal vor verschlossenen Toren. Oh nein…was soll das denn jetzt? Ein Blick aufs Handy verrät mir zudem, dass wir David ausversehen am Bahnhof – im wahrsten Sinne des Wortes – im Regen stehen gelassen haben. Er wollte uns bei diesem miesen Wetter eigentlich mit dem Auto holen – er tat mir ein wenig leid.

Letztendlich kam dann doch der Inhaber des Car Shops und drängte uns gleich in unseren zukünftigen Wagen einzusteigen. Es ist 16:56 und wir müssen noch zur Post um das Auto umzumelden. Die Post macht 17:00 zu…das wird eng. Dank des sportlichen Fahrstils von Pars schaffen wir es noch rechtzeitig und bekommen eine frische Self-Contained Plakette verpasst und kaufen 2000 Dieselkilometer (hier muss man die Kilometer bezahlen, wenn man einen Diesel hat, weil der Kraftstoff selbst seeehr günstig ist). Dass die Ummeldung an sich dann nochmal 200$ kostet, hat uns ziemlich überrascht…hui ui ui…der Tag ist teuer.

Anstatt einer kurzen Einweisung sitzen wir 1 Stunde durchnässt im Auto, während uns Pars den Linksverkehr erklärt…fast weitere zwei Stunden vergehen, bis wir dann endlich die Schlüssel in der Hand halten. Wir sollten eigentlich froh darüber sein, denn das zeigt, dass uns der Händler nicht möglichst schnell los haben und nie wieder sehen möchte. Er hat uns tausend mal gefragt, ob wir noch Wünsche oder Fragen haben…das war sehr nett, allerdings waren wir nass und es wurde langsam sehr kalt…wir wollten einfach nur unser Auto haben, die 40 Minuten nach Hause tuckern, einen warmen Tee und Essen kochen und uns trocken legen.

Auf dem Weg nach Hause, wurden wir vor so einige Herausforderungen gestellt. Mittlerweile war es stockdunkel und ich hatte keine Ahnung, wo das Licht an geht. Auf halber Strecke habe ich dann endlich den richtigen Schalter gefunden … Naja zumindest für das Standlicht ;o))

Verfahren haben wir uns im Großstadtdschungel auch noch ein paar Mal, sodass aus den 40 Minuten vom Navi dann doch eher 60 wurden. Aber das macht nichts – wir waren zu froh, endlich ein Auto und einen warmen Tee in Aussicht zu haben, als dass wir durch unsere ungewollte Erkundungsfahrt schlechte Laune bekommen konnten.

Der Moment als wir „Te Matomato“ – so haben wir ihn mittlerweile getauft – vor unserer Unterkunft geparkt, drei Mal geschaut haben, ob alles gut verriegelt ist und wussten, dass wir ab morgen nur noch Ihn als Küche, Bad, Schlafzimmer und Wohnzimmer haben werden, war total magisch!

„DAS allererste Bild von Te Matomato mitten in der Nacht, stilecht vorm Pak’n’Safe.“

An dieser Stelle vielleicht mal ein paar nähere Infos zu Mr Mato (aka Tomate, aka „Te Matomato“). Er ist ein Mitsubishi L300 Short Wheel Base (kurzer Radstand) von 2001. Wir drei sind also alle gleich alt, nur haben wir uns ein bisschen besser gehalten als Te Matomato, wie ich finde, denn vor lauter Beulen lässt sich die ursprüngliche Form nur erahnen. Wir entdecken immer wieder neue Beulen, wenn wir ihn nach einem Ausflug wieder sehen…man könnte fast meinen, dass er vom bloßen Hinsehen neue Beulen bekommt. Naja, aber das scheint hier sowieso eher eine Art Qualitätsmerkmal zu sein und mit aktuell knapp 308’000 Kilometern Laufleistung hat er eben schon einen ganz eigenen Charakter. Mr Mato hat einen neuen Zahnrimen, neue Räder, eine neue Batterie, neues Öl und neue Ölfilter – quasi ein gebrauchter Neuwagen 😉 Verstecken können wir uns mit Ihm theoretisch auch ganz gut, denn er ist grün, wie der Wald mit grauen Akzenten – daher auch der Name „Te Matomato“ – das heißt „der Grüne“ auf Maori. Da wir praktisch neben dem Motor sitzen, hat er absolut keine Front, nur eine Art Schnabel, den wir ziemlich lustig finden. Für seine „nur“ 85PS oder so, zieht er echt erstaunlich gut. Es macht einen heiden Spaß mit ihm die kurvigen Straßen hier zu erkunden. Nur der erste Gang ist so kurz übersetzt, dass er eigentlich vollkommen überflüssig ist.

„Die erste Nacht im grünen Schnabeltier :)“

Was gibt es sonst noch so zum Auto zu sagen? Hm…keine Ahnung, habt ihr Fragen? Dann immer her damit!

Am nächsten Morgen heißt es „früh aufstehen“, denn es gibt viel zu tun! Te Matomato bekommt erstmal eine ordentliche Grundreinigung, erst von Außen, dann von Innen verpasst. So lange wir Wasser, Reinigungsmittel und Lappen von Louise zur Verfügung haben, sollten wir das auch nutzen 😉 Wir putzen Scheiben und Oberflächen, befreien die Karosserie von Spinnenweben (Mr Mato scheint eine Hausspinne zu haben, denn obwohl wir nun schon seit mehr als einer Woche mehr oder weniger jeden Tag fahren, haben wir schon wieder Spinnweben am Auto…), entfernen Flugrost von den Scheibenwischern und desinfizieren vorsichtshalber alles, was man anfassen kann – wie Neu sozusagen – nur eben die 4. Hand von Second Hand.

„Ein bisschen Chaos muss sein.“

Nach einem sehr dürftigen Mittagessen aus einer genialen Idee, die wir am Vortag hatten, geht unser Startkommando in die zweite Runde! Ihr müsst wissen – es gibt hier keine Schokocreme, nur Erdnussbutter und Marmelade (…und Nutella, da kann aber nicht die Rede von „Schoko“ sein. Mehr als Palmöl, Zucker und Milchpulver ist das nicht (mehr)). In unserer Not und Sehnsucht nach einer streichbaren Schokocreme für das Brot, kam mir die, einfach ein Stückchen Schokolade mit etwas Butter zwischen zwei Toasts zu legen und im Sandwichmaker zerlaufen zu lassen. Wir hatten zwar kein Toast mehr, aber es war genial ;D

Hui, ich habe das Gefühl, der Blogeintrag ist schon wieder ziemlich lang…Upsi.

Naja, wie unser Startkommando in die zweite Runde geht, erfahrt ihr dann beim nächsten Mal. Bis dahin: Alles Gute!!!

Kia Ora – o.oder so.

Heute ist Dienstag der 1. Oktober – das heißt, ich bin jetzt schon eine ganze Woche in Neuseeland. Für Einheimische mögen meine ersten Tage so unspektakulär wie nur irgendwie vorstellbar gewesen sein, aber für mich ist und war dann doch Vieles neu.

Aufgrund des miserablen Wetters habe ich mich für ein Taxi namens „Super Shuttle“ entschieden, um vom Flughafen nach Mount Wellington – den Stadtteil meines AirBnBs – zu kommen. Es gibt zwar auch den sogenannten „Sky Bus“, der wesentlich günstiger ist, aber der fährt nur nach Auckland Citiy – sprich: das Zentrum und nicht in die letzte Ecke, wo meine Unterkunft liegt. Nun ja, die 45 Dollar von der Taxifahrt schmerzen zwar immer noch ziemlich stark, aber in Anbetracht des miserablen Wetters an diesem Mittwoch Nachmittag, konnte ich diese Wunde ganz gut ignorieren.

Zu meinem Bedauern konnte der Taxifahrer nichts mit meiner Adresse – 11/9 Mountain Road, Mount Wellington – anfangen und ist bei vollem Bewusstsein erstmal knappe 3 Kilometer an meiner Straße vorbeigerauscht. „Dann halt nicht.“ dachte ich mir und hoffte, dass meine VISA-Card auch funktioniert, denn sie hat vor dem Abbuchungsgerät des Taxifahrers noch kein Anderes gesehen. Die Entjungferung lief aber ohne Probleme ab, was mich bei dem Wetter auch sehr gefreut hat.

Drei Kilometer laufen ist ja an sich nicht DAS Problem, aber da das Laufverhalten mit Rucksack und Seitenwind ein fragwürdiges Bild ergibt, war der Weg dann doch – ehm – lustiger als erwartet. Man hätte meinen können, Virgin Australia hatte überschüssige Prozente an Board und hat kurzer Hand Wasser durch Schnaps und Wein ersetzt.

Es gibt sooo unglaublich viel zu erzählen, oder besser zu schreiben. Aber mir fehlt leider die Zeit, aber vorallem der Strom. Mittlerweile liegen wir beide nämlich schon im Van – momentan an einem netten See irgendwo südlich von Hamilton. Ich versuche aber trotzdem mal alle wesentlichen Eindrücke meiner ersten Tage in Auckland hier auszudrücken – es ist ja schließlich viel passiert in den letzten Wochen!

Bei Sturm und Regen komme ich an der Unterkunft von Louise – meiner Gastgeberin – an und bin heilfroh, dass es noch ein wenig hell draußen ist. Bei Dunkelheit hätte ich die kleine Hütte nie und nimmer gefunden. Zum Glück kam Louise genau im richtigen Moment von der Arbeit, denn die Türschlösser hier funktionieren irgendwie vollkommen gegen jede Logik.

Endlich angekommen in der guten Stube musste ich mich erstmal ein wenig orientieren, bin dann aber ziemlich zügig im Bett verschwunden. Die meisten Häuser hier sind alles andere als massiv – so auch der „Block“ in dem Loise ihre Wohnung hatte. Mein Zimmer war sehr groß, aber auch mindestens genau so hellhörig und kalt. Meine ersten Gedanken nach der ersten Nacht: „Wie mitten auf der Straße nur mit Sichtschutz.“ Man hat tatsachlich alles gehört, nichts war isoliert und dementsprechend kalt war es. Aber so sind die „Bretterbuden“ hier. Ich habe mega gut geschlafen und hatte ziemlich großen Hunger als ich gegen 10 aufwachte. Kein Wunder: Das Abendessen habe ich weggelassen und zum Frühstücken hatte ich sowieso nichts. Also, erste Mission für heute: Essbares suchen und finden! Allerdings war es so dermaßen kalt und verregnet, dass ich mich gar nicht aus dem Bett getraut habe. Was macht man da also? EReader rausholen und liegen bleiben. Irgendwann wurde der Hunger dann doch zu groß. So habe ich mich nach einer warmen Dusche im kalten Badezimmer dann doch nach draußen ins große Unbekannte gewagt.

Entlang einer relativ breiten Straße entdeckte ich erst einen ziemlich großen Asiamarkt, wo ich endlich etwas Essen auftreiben konnte: Bananen!!! Na gut, damit lässt sich zwar der Mittagshunger befriedigen, aber für die nächsten Tage und auf Dauer kann ich mich nicht nur von Bananen ernähren. 800 Meter weiter gibt es einen Countdown (neben „Pack’n’Safe einer der günstigeren Supermärkte hier). Ich war ziemlich überfordert und gleichzeitig beeindruckt von der Größe dieses Ladens.

Wenn es bei uns 3 unterschiedliche Marken Toast und ein Regal voll davon gibt, ist das schon ziemlich viel. Da es hier in Neuseeland kein normales Brot, Brötchen oder irgendetwas vergleichbares gibt, erstreckt sich die Auswahl an Toast über einen kompletten 15 Meter langen Gang. Krass… Hier gibt es Toast in den unterschiedlichsten Varianten: klassisch weiß, rustikal, „Bauernkruste“, mit Linsen und Quinoa, Vollkorn (…, was aber nicht viel mit Vollkorn zu tun hat) und so weiter. Leider ist es eine absolute Ausnahme, wenn man mal ein Toast findet, wo nicht extra noch reines Gluten beigemischt wird.

Bei allen anderen Lebensmitteln ist die Auswahl übrigens ziemlich ähnlich. Die Käsepackungen erreichen Dimensionen von über einem Kilogramm, Mehl gibt es üblicherweiße in Packungen mit 5-15Kg und dasselbe mit dem Zucker. Alles ist entweder ein bisschen oder verdammt viel teurer, außer ein paar Sachen: Kiwis, Orangen, Bananen und -jetzt kommts – Lindtschokolade sind günstiger als in Deutschland. Naja, da wissen wir ja, wovon wir uns die nächsten 50 Wochen oder so ernähren 😉

Am Nachmittag habe ich mir erstmal eine SIM-Karte im sogenannten „Sylvia-Park“ – ein großes Einkaufszentrum, 40 Minuten Fußweg von meiner Unterkunft entfernt – besorgt. Auf dem Weg dahin habe ich einen Pack’n’Safe entdeckt und wurde von einem Typen zugequatscht, der mich irgendwie bekehren wollte. Er hat mich so lange verfolgt und nicht los gelassen, bis ich ihm ein Gebet nachgesprochen habe…und ich dachte immer, Veganer seien aufdringlich. Naja schlussendlich habe ich dann bei „Spark“ eine Prepaid-Karte bekommen und war stolz den ersten Tag und Schritt gemeistert zu haben.

Darauf folgten relativ „normale“ Tage, wenn man das so sagen kann. Ich habe (versucht) mein Bankkonto zu eröffnen, meine Umgebung zu erkunden, den Pack’n’Safe unsicher zu machen, Auto-Angebote verglichen und Essen gemacht.

Als ich dann am Donnerstag meine Reisebegleitung vom Zug abgeholt habe, wurde es langsam spannender. Wir haben den Mount Wellington bezwungen, der praktisch schon fast im Garten von Louise steht und mit seinen 130 Metern in die Höhe ragt, waren Einkaufen und hatten dann am Samstag schließlich unseren ersten großen Tag: Automarkt Nummer Eins.

„Der Wind da oben hat uns fast umgehauen – mehr noch als die Aussicht“

Für den Automarkt sind wir mit dem Zug in die Innenstadt von Auckland gefahren. Wir waren etwas erstaunt, als wir plötzlich vor einem – wirklich – kleinem Parkplatz mit vllt 14-20 Autos standen. „Das soll der berühmte Car-Market sein?“ Etwas stutzig machten wir uns auf die Suche nach einem Wagen, der unseren Vorstellungen entspricht: Ein Van, etwas ausgebaut und maximal 6000$. Die Auswahl beschränkte sich mit diesen Vorstellungen auf zwei Fahrzeuge. Einer für 3700$, der einen sehr wackeligen Eindruck machte und einen für 5999$ – Schmerzgrenze. Der Verkäufer war nett und wir konnten uns sogar auf Deutsch verständigen. Nach einer Probefahrt hielten wir kurz Absprache und machten schließlich eine Anzahlung von 500$ für das Auto. „In 3-4 Tagen sollten wir ihn dann abholen können.“ meinte David, der Verkäufer.

Wir waren happy, dass wir so schnell einen Wagen gefunden haben, der uns zwar noch nicht gehörte, aber es zumindest mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit bald tun wird. Okey zugegeben: Wir wussten, dass wir spät dran waren mit der Autosuche und es nicht mehr viele Angebote geben wird…eine richtige Wahl hatten wir also nicht. Und unsere Entscheidung war gut – …nicht auf den anderen Automarkt einen Tag später zu vertrauen. Der war zwar deutlich größer, aber auch von den Preisen deutlich höher. Da wäre nur so ein Toyota-Estima-Großraumkombi in unserer Preisklasse gelegen.

Da ich das erste mal in der City von Auckland war, haben wir uns danach noch ein wenig umgeschaut. Kurz gesagt: Auckland ist komisch. Es gibt weder ein richtiges Zentrum, noch eine Fußgängerzone, einen zentralen Platz, oder irgendetwas, was einem das Gefühl gibt „angekommen zu sein“. Die Häuser sind total zusammengewürfelt, wie in der Traumstadt vom Film “ Inception“. Große Bankengebäude ragen über Bruchbuden, die mitten drin irgendwo an der Straße stehen.

Der Hafen ist ziemlich groß…viele – vorallem kleine – Yachten stehen dicht an dicht…aber auch hier: Es verläuft alles irgendwie. Einen Anhaltspunkt, eine Art Zentrum gibt es nicht. Wir wussten beide nicht genau, wie wir das Gefühl beschrieben sollten, aber wir waren und sind uns einig: „Hier fehlt irgendwas.“

„Auckland ist extrem bergig“
„…nur ein kleiner Teil des Hafens.“

Die nächsten Tage bestehen mehr aus warten und kochen, als aus sinnvollen Tätigkeiten. Erst am Mittwoch wird es wieder spannend. Doch dazu später mehr 😉 – wenn ich wieder Strom habe…

Dienstag Abend war einer von – ich glaube 4 oder 5 – „Auckland Nightmarktes“ zufällig in unserer Nähe. Wir hatten gehofft, dass wir da etwas essbares finden, aber die asiatischen Fressbuden hatten nur Tonnenweiße, fettig frittiertes Fleisch zu bieten, was uns eher traurig, als hungrig gestimmt hat. Wir haben dennoch einige Teigtaschen, gefüllt mit Gemüse und ebenfalls frittiert gefunden und probiert…ja, war halt fettig.

So, das wars! Tschau und bis zum nächsten Mal!

I finally arrived at Auckland!

Seit dem letzten Blog sind zwar nur wenige Tage vergangen, aber tausend Dinge passiert. Nachdem ich die letzten Worte des letzten Beitrages hier geschrieben habe, waren wir noch ca. 45 Minuten von Abu Dhabi entfernt. Der Pilot (oder eher Autopilot 😉 ist langsam in den Sinkflug gegangen und man konnte die ersten Lichter in der Ferne sehen, denn es war bereits stockdunkel. Das erste, was mir aufgefallen ist, waren die absurd rießigen Kreisverkehre, die die Araber in die Wüste gebaut haben – nun gut, die haben ja anscheinend genug Platz dafür 😉

Die Landung war eigentlich so unspektakulär, dass sie fast keiner Erwähnung bedarf, doch die ersten Schritte aus dem Flugzeug waren alles andere als „normal“. Im Flugzeug wurde bereits die Außentemperatur in Abu Dhabi angezeigt: nette 35°C mitten in der Nacht. Wir haben uns also schonmal auf kuschelige Temperaturen eingestellt, wurden aber dann doch von der unfassbar hohen Luftfeuchtigkeit überrascht. Nur einen Schritt aus dem Flugzeug und Zack, von oben bis unten pitsche patsche nass! Zu unserer „Freude“ haben wir am letzten Ende des Flughafens geparkt und durften uns bei den äußeren Umständen in einen völlig überfüllten Bus quetschen um dann erstmal 10 Minuten zum Terminal zu fahren. Habt ihr schonmal Stau auf dem Rollfeld erlebt? Nein? Ich jetzt schon, bei 35°C, 1000000% Luftfeuchtigkeit, mit Pulli, Winterjacke, 15kg Gepäck und mehrere dutzend Leute dicht an dicht in einem unklimatisierten Bus. Egal – die Euphorie war groß, denn der erste Schritt war gemacht, auch, wenn der 14 Stunden-Flug erst noch vor mir stand xD

Wie sollte es anders sein: Obwohl wir eigentlich nur Transitreisende waren, mussten alle nochmal komplett durch die Sicherheitskontrolle. Also hieß es wieder: komplettes Handgepäck auseinandernehmen und Laptop einzeln aufs Band legen. Zum Glück ist dem Mädchen, das neben mir im Flugzeug saß noch eingefallen, dass sie ja noch Wasser in ihrer Trinkflasche hatte. Bei mir war das nicht anders, denn im Flugzeug gab es unerwartet viel zu trinken 😉 Was macht man also 5 Meter bevor man an der Reihe zur Sicherheitskontrolle ist und noch einen halben Liter „illegales Wasser“ im Gepäck hat (…und keine Pflanze in der Nähe ist, die sich über Flüssigkeit freut…)? Richtig – exen und zwar so schnell, wie es nur irgendwie geht. Mein Adrenalinspiegel war auf Level 1000 von 100 als ich mir endlich die unangenehm warme Flüssigkeit einverleibt hatte, haha 😀

Nach der Kontrolle dann die Ernüchterung: 1h und 20min Verspätung. Mir dämmerten schon die Folgen, als sich mein Adrenalinspiegel wieder halbwegs normalisiert hatte und ich wieder in der Lage war, einfache mathematische Rechnungen durchzuführen. Der Anschlussflug nach Auckland müsste schon dolle Verspätung haben, damit ich den jetzt noch schaffe. Naja zu allem Übel haben wir dann auch noch eine halbe Stunde auf Starterlaubnis warten müssen, weil auf dem Flughafen zu viel Betrieb war. Wenigstens saß ich dann wirklich in einer Boing 787, die auch deutlich moderner war 😉 Tja, eigentlich gibt es auch noch jede Menge zu dem Flug nach Brisbane zu sagen. Zum Beispiel, dass man beim Start einen super Blick auf die Skyline von Abu Dhabi und das Ferrarizentrum sowie auf die Rennstrecke hatte, es deutlich weniger zu trinken, dafür viel zu viel Essen gab oder, dass sich der Flug gegen Ende hin wie eine Ewigkeit angefühlt hat. …aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen.

Der Flug über Australien hat fast vier Stunden gedauert. Da hat man mal gemerkt, wie rießig dieses Land eigentlich ist! Als wir dann endlich in den Landeanflug auf Brisbane gegangen sind, ist mir schon langsam bewusst geworden, dass die Sache mit dem Anschlussflug nach Auckland mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit in die Hose gehen wird. Nun ja – trotz dessen, dass der Anschlussflug auch Verspätung hatte, war es nicht mehr möglich ihn zu schaffen. Pech gehabt! Etwas planlos watschelte ich also aus dem Flugzeug und wurde dann von einer netten Dame am Ende des Gates empfangen. Sie hat mir und einer anderen Frau, die ebenfalls nach Auckland wollte dann einen Zettel in die Hand gedrückt. Hmmm… eine kostenlose Nacht in einem Hotel? 50 Doller für Abendbrot und weitere 30 Doller fürs Frühstück und ein neuer Flug morgen früh um 9:30? Es hätte schlimmer kommen können 😉 Da wir nun ja aber vorerst doch nach Australien einreisen mussten, blieb uns sowohl die Passkontrolle als auch die Biokontrolle nicht erspart. Zunächst gab es Probleme mit meinem Pass, weil die Beamten dachten, dass ich kein Visum für Australien hätte, bei ihnen im Comptuer aber eines angezeigt bekommen haben (logisch, vorsichtshalber habe ich auch mal eins beantragt). So wurde ich kurzer Hand, begleitet von zwei Polizeiofficern mit MP ausgestattet, in einen seperaten Raum begleitet. Das Ganze war aber halb so wild. Die andere Dame, die übrigens aus Düsseldorf kommt, aber seit 7 Jahren in Neuseeland lebt und arbeitet, hatte da schon deutlich größere Probleme, weil ihr Visum gänzlich abgelaufen ist. Wir haben uns trotzdem die ganze Zeit auf Englsich verständigt, weil wir erst im Hotel dazu kamen, zu fragen, woher der andere eigentlich kommt 😉

Die Biokontrolle verlief ohne große Schwierigkeiten und war nach ewig langen Wegen dann relativ schnell abgehakt – endlich – denn ich hatte mittlerweile ordentlichen Druck auf der Blase! Durch ziemlich starke Turbulenzen gegen Ende des Fluges waren die Toiletten eine ganze Weile gesperrt…UPS.

Ich staunte nicht schlecht, als sich die super eindrucksvolle, beleuchtete Skyline von Brisbane vor meinen Augen auftat, als ich das Terminal verließ. Die Temperaturen waren mit 20°C auch echt super angenehm. Nach einer halben Stunde Wartezeit kam dann auch endlich das Shuttle zum Novotel, wo mich Etihad eine Nacht eingebucht hatte. Der Check In verlief problemlos, auch wenn ich mir in so einem schicken Hotel etwas komisch mit Jogginghose und fetten Wanderstiefeln vorkam xD Etihad hatte mich in ein Doppelzimmer eingebucht, dessen Betten einfach mal für drei Mann ausreichend gewesen wären – krass. Im Bad fand ich ein paar super nachhaltige Pflegeprodukte, die allesamt Fair Trade und vegan waren. Außerdem wurde ich sogar persönlich durch einen Monitor in meinem Zimmer begrüßt. Ich machte es mir gemütlich und versuchte ein wenig zu schlafen. Das mit dem gemütlich hat zwar geklappt aber schlafen war dann doch eher schwierig, weil ich im Flugzeug schon recht viel geschlafen habe.

Da wir auf dem Weg nach Brisbane schon dermaßen viel Essen bekommen haben, hatte ich absolut keinen Hunger mehr und deshalb die 50 Doller Abendessen gar nicht genutzt. Dafür war aber das Frühstück umso besser. Es gab sogar vegane Milchalternativen, was super cool war! Allerdings habe ich meinen Heißhunger auf Obst mit Melone, Litschi und Pfirsich gestillt und anschließend noch ein Toast verdückt um nicht gleich wieder Hunger zu bekommen 😉

Etihad-Essen: Reis mit zwei Saucen, Obst, Brot mit veganer Butter, „Power-Riegel“, Maisfladen und Salzcracker. Zwischendruch gab es dann sogar noch eine mit Gemüse gefüllte Teigtasche und einen Brownie.

Mein neuer Flug mit Virgin Australia hatte – wie konnte es anders sein – über zwei Stunden Verspätung. „Naja, micht stresst ja nichts mehr.“ dachte ich…

A380 kurz vorm Boarding in Brisbane.

Zwar gab es erst ein paar Probleme beim Check In, weil der Flug überbucht war, aber so wie es der Zufall wollte, hat im richtigen Moment noch eine andere Person stoniert, sodass ich den Flug doch noch bekommen habe. Erstaunlicherweiße gab es im Flugzeug wieder etwas warmes zu Essen und tatsächlich konnte ich selbst bei dieser Billigairline zwischen drei Mahlzeiten, darunter auch eine vegane, auswählen – sehr nice!

Virgin Australia-Essen: Chinanudeln mit seeeeehr viel Gemüse 😉 Erstaunlich lecker.

Nach kanpp vier Stunden über dem Meer, tauchte dann das ersähnte Festland unter uns auf – endlich. An der Biokontrolle musste ich mal wieder meine Schuhe zeigen und den Beamten erklären, dass ich meinen Schlafsack noch nie zuvor auf fremder Erde benutzt habe. Kompliziert wurde es aber dann mit dem Vitamin B12, was ich vorsichtshalber mit dabei hatte und der Vorrat definitiv länger als nur für 3 Monate groß war. Der Beamte hat mich kurzerhand zu einer Art „Zollstelle“ geschickt, wo vor mir unzählige Menschen mit vielen Stangen Zigaretten oder anderen Kuriositäten standen. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, was ich da jetzt soll, denn im Grunde hatte ich rein gar nichts zum verzollen dabei. Als der Beamte schließlich meinen Einreisezettel inspiziert hatte, wechselten wir ein paar kurze Blicke. Dann fragte er mich, ob ich Mahriuana oder andere Drogen dabei hätte. Ja ne, auf jeden Fall! Natürlich habe ich das verneint und dennoch kam im Anschluss eine Frau mit zwei Hunden zu mir, die zielstrebig sowohl auf mir, als auch auf meinem Gepäck ihren Sabber hinterliesen! Nachdem ich einmal erfolgreich durchgeschnüffelt wurde, mein Herz bei 3000 Umdrehungen pro Minute angelangt war und ich nun endlich alle Kontrollen überstanden habe, durfte ich das Flughafengebäude endlich verlassen. Okey – was heißt „endlich“, denn draußen erwartete mich Sturm, Regen und Eiseskälte…nichts wie weg hier! Aber nicht wieder nach Australien, sondern rein ins Großstadtgetümmel 🙂

Tja, ich habe keine Ahung, ob dieser „Weg“ in Unbekannte überhaupt in irgendeiner Form spannend für euch ist. Doch für mich ist es alle Mal eine Erinnerrung, weshalb ich die ersten Tage und Stunden auch so ausführlich dokumentiert habe. Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie die ersten Tage in Auckland verlaufen sind und, wash hier wirklich skuril ist!

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